Die Schlachten der Vergangenheit

von Redaktion

Die Kanzlerin tritt zum vierten Mal in die TV-Arena, dreimal hat sie die Wahl später gewonnen – ein TV-Rückblick

Berlin – Angela Merkel tritt mittlerweile gegen den vierten SPD-Mann an. Am Sonntag stellt sich die CDU-Chefin im TV-Duell ihrem Herausforderer Martin Schulz. Ein Rückblick auf frühere Duelle:

Schröder gegen Stoiber, 2002

Beim ersten TV-Duell schickt die Union den bayerischen Regierungschef ins Rennen – gleich zweimal. Schnell auf Temperatur werfen er und Schröder einander gegenseitig politisches Versagen bei Arbeitsmarkt, Steuern und Zuwanderung vor. Schröder: „Sie versprechen ja allen alles.“ Inhaltlich gibt es kaum Neues. Umfragen sagen danach: unentschieden. Angesichts der Kopf-an-Kopf-Wahlumfragen wird es in Runde zwei lebhafter. Der Bayer bläst zur Attacke und wirft Schröder vor, im Streit um einen US-Angriff auf den Irak die deutsch-amerikanische Freundschaft zu beschädigen. Doch fällt der CSU-Chef gegenüber seinem vorherigen Auftritt zurück. Schröder bleibt Kanzler.

Schröder gegen Merkel, 2005

Die Kontrahenten tasten sich nicht lange ab. Merkels erste Attacke: Bei der Ökosteuer seien die Bürger „schlichtweg betrogen worden“. Der fernseherfahrene Kanzler lenkt die Diskussion auf Merkels Finanzfachmann Paul Kirchhof. Dessen Konzept sei „ungerecht“. Beide streiten heftig über Steuern. Vor knapp 21 Millionen TV-Zuschauern entscheidet der Kanzler den Schlagabtausch in Sachen Sympathie für sich. Merkel wird aber als kompetenter gesehen. Sie zieht nach der Wahl ins Kanzleramt ein.

Merkel gegen Steinmeier, 2009

Der Außenminister setzt auf Angriff, während sich die Kanzlerin müht, ihren Wohlfühl-Wahlkampf durchzuziehen. „Eine bessere Alternative“ sei er, sagt Steinmeier selbstbewusst. Merkel spricht er nicht als Kanzlerin an, sondern als „Kandidatin“. Die CDU-Chefin verzichtet auf einen Schlagabtausch und lobt lieber die große Koalition, die „gut gearbeitet“ habe – unter ihrer Führung. Vor 14 Millionen Zuschauern erweckt das harmlose Duell den Anschein, beide könnten auch gut miteinander weiter regieren. Umfragen sehen keinen klaren Sieger. Nach der Wahl koaliert die Union mit der FDP.

Merkel gegen Steinbrück, 2013

Der Ansatz des Ex-Finanzministers: Merkels Politikstil demaskieren – aber nicht zu offensiv, um nicht arrogant rüberzukommen. Der in Umfragen weit zurückliegende Herausforderer wirft Merkel „vier Jahre schwarz-gelben Kreisverkehrs“ vor. Bei einem Thema pocht er auf Klartext – und Merkel liefert: „Mit mir wird es eine Maut für Autofahrer nicht geben.“ Die Kanzlerin trägt vor etwa 17,6 Millionen Zuschauern die berühmt gewordene schwarz-rot-goldene Halskette und sagt den Satz: „Sie kennen mich“. Umfragen sehen keinen Sieger, Steinbrück kann aber Boden gutmachen. Merkel schmiedet später ihre zweite große Koalition.   Sebastian Fischer

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