Berlin – Große thematische Überraschungen sind beim TV-Duell an diesem Sonntag nicht zu erwarten. Ein Überblick über die zehn wichtigsten Themen und Positionen:
– Soziale Gerechtigkeit: Hier dürfte der Herausforderer auf Punkte hoffen. Merkel weiß: Bei Sozialthemen kann sie traditionell kaum gewinnen. Es gilt für sie, sich bloß keine Blöße zu geben.
-Bildung: Schulz will die Schulpolitik umkrempeln – und mit Milliardenschecks die Länder für eine „nationale Bildungsallianz“ gewinnen.
-Arbeitsmarkt: Beim aktuellen Thema Air-Berlin-Rettung, wo es um tausende Arbeitsplätze geht, gibt es zwischen Union und SPD kaum Reibungspunkte. Merkel könnte versuchen, Schulz’ punktuelles Abrücken von Schröders Reform- agenda 2010 aufzuspießen.
-Rente: Schulz hält Merkel Versagen in der Rentenpolitik vor. Die Union entgegnet, mit der Rentenreform der großen Koalition von 2007 seien Rentenniveaus und -beiträge bis 2030 geklärt.
-Abgasaffäre, Maut: Beim Streit über die Zukunft des Dieselmotors gibt es nicht viele Knackpunkte. Schulz hat aber angekündigt, er werde die umstrittene und von seiner Partei mitgetragene Pkw-Maut rückgängig machen, wenn er Kanzler werde. Merkel bekennt sich dagegen zu dem von ihr ursprünglich auch abgelehnten, aber von der CSU durchgesetzten Maut-Projekt.
-Außenpolitik/Türkei: Dass Schulz Merkel einen zu laschen Umgang mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorwerfen wird, gilt als ausgemacht. Er fordert im Konflikt um die in der Türkei inhaftierten Deutschen ein Ultimatum. Merkel hält von Ultimaten grundsätzlich nichts, weil sie Verhandlungen nur schwerer machen.
-Flüchtlinge: Schulz könnte Merkel vorhalten, dass sie von ihrer Willkommenspolitik abgerückt sei und nun auf Abschottung setze. Schwierig dürfte für ihn dabei aber sein, dass die SPD in der großen Koalition alle Verschärfungen in der Asyl- und Migrationspolitik als Regierungspartner mitgetragen hat. Gut möglich, dass der SPD-Chef den Finger in die Unions-Wunde Flüchtlings-Obergrenze legt.
-Innere Sicherheit, Terrorismus, Kriminalität: Hier ist es umgekehrt wie beim Thema soziale Gerechtigkeit. Der Union wird die größere Kompetenz zugeschrieben. Außerdem haben die Sozialdemokraten nach den islamistischen Anschlägen in Deutschland die Verschärfung der Gesetzgebung im Sicherheitsbereich mitgetragen.
-Verteidigung/Aufrüstung: Eines der Lieblingsthemen von Schulz und Außenminister Sigmar Gabriel. Gabriel wirft Merkel vor, sich US-Präsident Donald Trump zu unterwerfen, weil sie das Zwei-Prozent-Ziel für den Verteidigungsetat ins Wahlprogramm schreiben ließ.
-Abzug der US-Atomwaffen: Ein Dauerthema in Deutschland. 2009 zog schon Frank-Walter Steinmeier damit in den SPD-Wahlkampf, auch FDP-Mann Guido Westerwelle probierte es. Bislang hat aber noch jede Regierung die offiziell gar nicht bestätigte Stationierung von US-Atomwaffen mitgetragen. dpa