Abensberg – Rund dreißig Kilometer liegen zwischen Hubert Aiwangers Geburtsstadt Ergoldsbach und der Festwiese am Gillamoos. Geografisch gesehen ist der Auftritt beim politischen Frühschoppen also ein Heimspiel für den Chef der Freien Wähler (FW). Und wie jedes Jahr redet sich Aiwanger auch dieses Mal im holzgezimmerten „Weißbier-Stadl“ schnell in Rage.
Zunächst nimmt er sich FDP-Chef Christian Lindner vor. „Wer hat denn deine vielen Plakate gezahlt? Du bist gesponsert, du bist geschmiert!“, ruft Aiwanger so laut, dass der im Zelt nebenan sprechende Lindner es fast hören müsste. Und das ist nur die Ouvertüre. Schon ist Aiwanger bei Angela Merkel, der er vorwirft, das Land an die Wand zu fahren – mit Unterstützung von SPD und CSU. Den im Hauptzelt auftretenden Karl-Theodor zu Guttenberg nennt Aiwanger einen „Vertreter des großen Geldes“. Zudem habe er die Bundeswehr „ruiniert“.
Aiwanger sieht seine Partei als Vertreter der „kleinen Leute“, gegen übermächtige Großkonzerne und ihnen hörige Politiker. Das Freihandelsabkommen TTIP will er stoppen, landwirtschaftliche Betriebe stärken.
Aber selbst die verwegensten Umfragen sprechen nicht dafür, dass Aiwangers Partei in den Bundestag einzieht. Deshalb wirkt seine Rede phasenweise wie ein Testlauf für den Landtagswahlkampf 2018. In Bayern hoffen die Freien Wähler erneut auf ein gutes Ergebnis – der gewohnt stammtischtaugliche Auftritt ihres Chefs könnte der Startschuss gewesen sein. mfh/dpa