München – Steigende Preise für Lebensmittel muss man als Verbraucher zunächst hinnehmen. Man kann sich aber trotzdem informieren, um mit gutem Gewissen einkaufen zu können. Ein Interview mit Ernährungsexpertin Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern.
– Achtet der Verbraucher mehr auf den Preis – oder darauf, mit gutem Gewissen einzukaufen?
Das kann man nicht pauschal beantworten. Der Trend geht aber schon zum qualitativ bewussteren Einkauf. Es gibt immer mehr Verbraucher, die sich Gedanken machen. Der Handel reagiert auf solche Entwicklungen, es gibt immer mehr regionale oder fair gehandelte Angebote.
-Fragen Verbraucher bei Ihnen vermehrt nach, wenn die Preise steigen?
Eher nicht. Ich glaube, dass die Leute die Preise einfach hinnehmen. Sie ärgern sich vielleicht kurz oder hinterfragen die Preisentwicklung auch. Aber letztlich schauen dann viele, dass sie zum Beispiel Butter so günstig wie halt ihrem eigenen Standard nach möglich kaufen.
-Man fragt sich als Verbraucher schon, woran man sich orientieren soll.
Wenn man wissen will, woher die Produkte kommen, ist das Regionalfenster eine gut sichtbare Aufmachung. Das zeigt, woher die Hauptzutaten des Produkts kommen. Auch der Erzeuger ist beispielsweise bei Produkten wie Kartoffeln oder Erdbeeren genannt. Man muss aber schon genau hinsehen. Dafür bieten wir unser Einkaufstraining (siehe Kasten) an. Wir stellen immer wieder fest, dass die Verbraucher beim Einkauf halt nicht genau hinschauen.
-Helfen Siegel oder Hinweise denn überhaupt?
Wenn wir zum Beispiel den Begriff „regional“ nehmen: Das ist ja grundsätzlich nicht gesetzlich definiert. Andererseits gibt es hier das Regionalfenster oder auch das Emblem „Qualität aus Bayern“, da hat man als Verbraucher einen guten Hinweis, darauf kann ich mich verlassen.
-Wenn man es als Verbraucher also genau wissen will, muss man selbst nachforschen.
Richtig. Vielen ist das aber zu umständlich. Einige gehen dann dazu über, wieder verstärkt selbst zu kochen, Produkte auf dem Markt oder bei den Bauern in der Region zu kaufen. Da wissen sie gleich, was sie haben und müssen nicht recherchieren. Das sind dann die Verbraucher, die es besonders gut und richtig machen wollen.
-Wenn man es gut machen und aktuell beim Kauf von Butter die Landwirte in der Region unterstützen möchte: Worauf muss man konkret achten?
Wenn Sie hier in Bayern Wert auf ein regionales Produkt legen, auch bei der Butter, achten Sie auf das Siegel „Qualität aus Bayern“. Oder Sie kaufen gleich direkt beim Erzeuger ein. Es gibt aber mittlerweile auch viele Hersteller, die freiwillig die Herkunft ihrer Produkte ausweisen. Und auch, wenn es erst mal nach mehr Aufwand klingt: Schauen Sie sich Ihre Lebensmittel genau an.
Interview: Kathrin Brack