München – Das Vordringen in unbekannte Zonen in Höhlen birgt Gefahren. Die vermutlich größte Schwierigkeit ist die Abgeschiedenheit. In der Tiefe funktioniert kein Handy. Höhlenforscher gehen deshalb mindestens zu dritt los. Wenn ein Unfall passiert, muss einer nach oben steigen und Hilfe holen. Ein zweiter bleibt bei dem Verunglückten, um ihn zu betreuen. Denn in der Kälte droht Unterkühlung.
Der wohl bekannteste Fall mit gutem Ausgang ist der von Johann Westhauser aus dem Jahr 2014. Bei der spektakulären Rettung des Höhlenforschers vor drei Jahren aus der Riesendinghöhle bei Berchtesgaden brauchte einer der drei Gruppenmitglieder in dem riesigen Höhlensystem etwa zehn Stunden von der Unglücksstelle in 1000 Metern Tiefe bis zum Ausgang, um Retter zu alarmieren.
Die Rettung selbst zog sich über mehrere Tage und war zu Beginn als „schier unmöglich“ eingestuft worden. Als Westhauser mithilfe von insgesamt 728 Rettungskräften in einer Mammutaktion ans Tageslicht und später ins Unfallklinikum Murnau gebracht wird, sagt der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Norbert Heiland: „In den vergangenen zwölf Tagen ist hier am Untersberg ein Kapitel alpiner Rettungsgeschichte geschrieben worden.“
Der Unfall hatte sich am Pfingstsonntag 2014 ereignet. Ein Brocken hatte Westhauser am Kopf getroffen – Steinschlag ist eine der Gefahren. Ein Jahr nach Westhausers Bergung starb eine Höhlenretterin, die Westhauser tagelang auf dem Weg nach oben begleitet hatte. Sie wurde bei einer Erstbegehung von einem Stein getroffen. Dennoch gelten diese Unfälle als Ausnahmen.
Auch das Wetter draußen birgt Risiken. Bei Regen kann in kürzester Zeit der Wasserspiegel in der Höhle steigen und den Rückweg abschneiden. Besonders bei talnahen Zugängen kann Wasser Gänge überfluten. Dann sind Rückwege womöglich für Stunden, Tage und in einigen Höhlen sogar für Wochen abgeschnitten. Mancher musste gerettet werden, weil er in einer zu engen Spalte stecken blieb. Allein die Anstrengung und zu tiefes Atmen können bewirken, dass der Körper durch eine vorher ausreichende Spalte plötzlich nicht mehr durchpasst.
Die Gefahren seien für Neulinge unwägbar, warnt die Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Bärbel Vogel. Niemand sollte ohne Erfahrung auf eigene Faust in Höhlen steigen. Sabine Dobel