„Ich weiß sehr gut, worauf ich verzichte“

von Redaktion

Theologiestudent Matthias Firmke hat sich für ein Leben als katholischer Priester entschieden – im Interview erzählt der 23-Jährige, wie es dazu kam

Bergkirchen – Warum entscheidet sich ein junger Mann für ein Leben als katholischer Priester? Wir haben bei Matthias Firmke nachgefragt, der bis Ende Juli in Bergkirchen (Kreis Dachau) neben dem Studium als Praktikant in der Gemeinde mitgearbeitet hat.

-Sie sind mit 23 Jahren noch recht jung. Wie reagieren die Menschen, wenn Sie erzählen, dass Sie Priester werden?

Die meisten reagieren mit einem sehr verdutzten Gesichtsausdruck. Sie fragen dann, ob ich evangelisch sei, weil katholisch ist ja eigentlich nicht denkbar, denn da gibt es ja den Zölibat. Wenn ich sage, dass ich katholischer Priester werde, ist die Verwunderung oftmals dann noch größer. Sobald sich der erste „Schock“ gelegt hat, bricht aber meist eine ganze Kaskade an Fragen über mich herein: Wie ich dazu gekommen bin; ob meine Eltern auch so religiös sind und was sie davon halten; ob ich Alkohol konsumieren dürfe, und schließlich fragen auch einige sehr unverblümt nach meiner sexuellen Orientierung. Die Vorstellung, als junger heterosexueller Mann in seinen „besten“ Jahren ins Priesterseminar zu gehen und zölibatär zu leben, ist für sie nicht mit ihrem Weltbild vereinbar.

-Der Zölibat gilt mit als Hauptgrund für die Nachwuchssorgen der Kirche. Hat Sie der Gedanke, keine Familie gründen zu können, nie zögern lassen?

Doch, hat er schon. Als ich das erste Mal auf Infotagen im Priesterseminar war, hatte ich noch eine Freundin. In meinem Freundeskreis war ich damals einer der wenigen, die eine „Langzeitbeziehung“ über mehr als zwei Jahre geführt hatten. Als ich ins Seminar eintrat, waren meine damalige Freundin und ich erst ein knappes Jahr getrennt. Ich wusste also sehr gut, auf was ich verzichte. Mit dem Eintritt ins Priesterseminar legt man noch kein Zölibatsversprechen ab, das kommt erst mit der Diakonenweihe. Vielmehr überprüft man, ob der Wunsch, Priester zu werden, für einen mit dem Lebensmodell des Zölibats vereinbar ist.

-Und Sie haben sich dafür entschieden.

Zugegebenermaßen ist es ein großer Brocken unter den ganzen Entscheidungen, die man trifft, aber ich würde nicht sagen, dass der Zölibat ein Hauptgrund ist, jedenfalls nicht auf den zweiten Blick. In der heutigen Gesellschaft und gerade unter den jungen Leuten ist heute alles viel unverbindlicher. Hinzu kommt: Immer weniger Kinder und Jugendliche lernen durch ihre Familien Gott, die Kirche und das Beten kennen. Ich bin überzeugt, dass es vielmehr diese Beobachtungen sind, die zu sinkenden Nachwuchszahlen führen. Mit der Entscheidung zum Priestertum tritt der Weihekandidat mit seinem ganzen Leben, also mit einer enormen Verbindlichkeit, für eine Sache ein, derer wir eben letztlich, bei allen Versuchen des Gottesbeweises, nicht habhaft werden können.

-Wie kam es, dass Sie Priester werden wollen?

Mein Wunsch, Priester zu werden, kam erst in der elften Klasse auf. Ich war seit der Kommunion Ministrant, der die typische Entfremdung zur Kirche während der Pubertät durchlebt hat. Mit der Gründung des Pfarrverbands in meiner Heimatgemeinde bekamen wir auch einen neuen Pfarrer. In der Osternacht 2010 hatte ich dann eine Art Bekehrungserlebnis und ging von da an in alle Gottesdienste und setzte mich intensiv mit dem Glauben auseinander. Mit dem Beginn der elften Klasse begann ich an der Schule Hebräisch zu lernen, und meine Lehrerin, die auch in meiner Heimatgemeinde wohnte, brachte mir eines Tages den Infoflyer des Priesterseminars mit. Ich nahm die Einladung zum Infowochenende wahr, ohne heute genau sagen zu können, warum eigentlich, denn bis dahin war ich glücklich in einer Beziehung und Priester werden stand nicht auf meinem Plan.

-Aber der Plan hat sich offensichtlich geändert.

Durch die Beziehung wurde mir ein Stück weit bewusst, wie Gottes Liebe zum Menschen aussehen kann. Dieser Liebe wollte ich nachgehen und fand dann durch das Infowochenende im Priesterseminar eine geeignete Möglichkeit. Ich fing nach diesem Wochenende an das Stundenbuch zu beten und dachte über ein Jahr lang bis in die zwölfte Klasse über die Entscheidung nach. Dabei war das Seminar nicht die einzige Option, sondern auch ein Medizinstudium stand zur Debatte. Letztlich entschied ich mich aber für den Weg ins Priesterseminar. Dabei sind sicher priesterliche Vorbilder wie der damalige Kaplan unseres Pfarrverbands und mein geistlicher Begleiter nicht unerheblich gewesen. Zu sehen, dass es Priester gibt, die einen glücklichen Eindruck machen und das Leben auf ihre Art auch genießen und sich trotzdem ganz für Gott und seine Botschaft einsetzen, hat mir über meine Ängste und Sorgen hinweggeholfen.

Interview: Kathrin Brack

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