5 Fragen aN

von Redaktion

Thomas Hamacher, 53, leitet den Lehrstuhl für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der Technischen Universität München.

Wie sehr greifen wir für die Energiewende in die Natur ein?

Anders als bei Öl oder Kernenergie müssen wir regenerative Energie auf der Fläche einsammeln – mit Windparks, Stauseen und riesigen Fotovoltaik-Anlagen. Das verbraucht Fläche, und wir müssen ganze Landschaften umbauen. Aber die Nutzung fossiler Energien greift auch in die Natur ein, wenn auch oftmals unsichtbar: Denken Sie an die Emissionen von CO2 und Feinstaub.

Ist regenerative Energie umweltfreundlicher?

Jede Art der Stromerzeugung hat Nebenwirkungen – die Energiewende bringt keinen paradiesischen Zustand. Ein ökonomisches Mittel zur Abwägung ist die Betrachtung externer Kosten. So versucht man, neben den Kosten für den Anlagenbau auch den Eingriff in die Umwelt zu bepreisen. Bislang kam man zu dem Ergebnis, dass das Saldo bei den erneuerbaren Energien positiv ist.

Dennoch scheint die Energiewende-Euphorie verflogen.

Zum einen liegt das an den gestiegenen Strompreisen, zum anderen sind die Leute unglücklich, wenn in ihrer Nähe eine große Stromtrasse gebaut wird. Es geht eben nicht nur um die Abschaltung einer alten Technik, sondern es wird etwas Neues geschaffen, was die Umwelt nicht schöner macht. Das gehört zwangsläufig dazu.

Auf welchem Weg sind wir in Deutschland?

Es gibt immer mehr soziale Hürden bei unseren hochgesteckten Zielen. Die Energiewende kann man nicht verordnen. Wir müssen jetzt über Vor- und Nachteile diskutieren und dann entscheiden. Auch Wissenschaft und Politik sind dabei gefordert: Wir müssen viel deutlicher machen, wie viele Anlagen wirklich herumstehen werden, wenn wir 80 Prozent des Stroms aus regernativen Energien erzeugen. Insgesamt wäre die Energiewende für unsere Volkswirtschaft ein wichtiges Ziel – nicht nur aus deutscher Sicht, sondern als europäisches Projekt, das uns das ganze Jahrhundert beschäftigen wird.

Werden wir einmal energieautark sein?

Ich sehe keinen Vorteil, Energie ausschließlich vor Ort zu erzeugen. Wir sollten auch bei Energie Handel betreiben. Das könnte zum Beispiel auch südeuropäischen Ländern als Wirtschaftsfaktor nutzen, um Strom zu erzeugen und dafür Geldtransfers zu erhalten.

Interview: Sebastian Dorn

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