„Du bist doch keine richtige Muslima“

von Redaktion

Zahra Khadraoui ist alles andere als konservativ – und fühlt sich dem Islam zugehörig

Texte: Nabila Abdel Aziz

Zahra Khadraoui, 29, feiert gerne, kleidet sich manchmal freizügig und posiert auf Facebook mit einer Mass Bier. Das alles gehört zu ihr – ebenso wie ihr islamischer Glaube. „Genauso wie viele Menschen in Deutschland christlich sind, bin ich muslimisch. Religion spielt keine große Rolle in meinem Leben.“ Menschen wie sie gibt es viele in Deutschland, nur fallen sie kaum auf. Wenn öffentlich über Muslime debattiert wird, denkt meist niemand daran, dass es dabei auch um Menschen wie Zahra Khadraoui geht.

Heute ist sie auf dem Weg zu einem Tanztraining: Sie ist ausgebildete Tänzerin und unterrichtet Jazz und Ballett. Nebenbei arbeitet sie als Flugbegleiterin. Ihr Vater ist Marokkaner, die Mutter Deutsche. Zahra Khadraoui wurde religiös erzogen, besuchte eine islamische Grundschule. Mit dem Vater gab es gelegentlich Konflikte: Zum Beispiel schlich sie sich im Minirock aus dem Haus. Aber der Islam sei für sie positiv besetzt: „Ich habe mich nie von ihm unterdrückt gefühlt.“ Gerade ist Religion weniger wichtig in ihrem Leben. Aber von außen gibt es Druck: „Die öffentliche Debatte zwingt einen fast dazu, über sein ,Muslim-Sein‘ nachzudenken.“

Zahra Khadraoui parkt ihren Lupo vor der Turnhalle, in der sie eine Gruppe von jungen Mädchen trainiert, bindet ihre langen blonden Haare zum Pferdeschwanz. Der Unterricht beginnt. Sie macht Dehnübungen zu lauter Elektromusik. Vor ein paar Jahren bestritt sie regelmäßig Wettkämpfe im zeitgenössischen Tanz. Und das äußerst erfolgreich. Sie gewann die europäischen Meisterschaften, zusammen mit einer anderen muslimischen Tänzerin. „An Leistung oder Kunst denkt man bei Muslimen viel zu wenig.“

Mittlerweile erwähnt sie seltener, dass sie Muslima ist. Warum? Die Stimmung gegenüber dem Islam sei feindseliger geworden. Oft sprechen ihr Menschen auch ab, Muslima zu sein. „Das bist du doch nicht wirklich“, hört sie dann. Es sei schade, dass viele Menschen eine so stereotype Vorstellung von Muslimen haben, sagt sie: „Nicht-Muslime genauso wie viele Muslime selbst.“

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