„Euch eure Religion, mir meine“

von Redaktion

Ahmet Malak versammelt in seinem Lokal Münchner aller Religionen

Ahmet Malaks Großvater war ein Gastarbeiter, wie ihn Deutschland sich wünschte: Er nahm das Wort „Gast“ besonders ernst. Er blieb 46 Jahre, doch sobald es Zeit für die Rente war, packte er seine Sachen und ging zurück in die Türkei. Er fühlte sich nie deutsch. Sein Enkel Ahmet Malak, 30, ist anders. Daheim ist er in München. „Hier kenne ich die Straßen, hier sind meine Leute.“

Malak läuft zwischen den Tischen seines Münchner Lokals hin und her, serviert in Jeans und T-Shirt Gemüselasagne und Baklava. Im gleichen Gebäude ist eine Moschee, von manchen Tischen aus kann man die Frauenkirche sehen. „Hier sitze ich am liebsten, mit einer Tasse Kaffee und dem Blick auf die Kirchtürme.“

Als er mit 14 besser Deutsch als Türkisch spricht, schickt ihn sein Vater in die Türkei. Heute zurück in München leitet er sein Herzensprojekt: „Mamas Küche“, ein Lokal für türkische Hausmannskost. „Ich wollte zeigen, dass die türkische Küche mehr kann als nur Döner.“ Mittlerweile ist aus seinem Lokal eine richtige Begegnungsstätte geworden: Leute aus der Altstadt, Muslime aus der Moschee machen hier Mittagspause. Über türkischen Tee kommt man ins Gespräch. Der ist für alle Gäste kostenlos. Dialog scheint am besten zu funktionieren, wenn er nicht mit Absicht passiert.

Ein Satz aus dem Koran ist Malak wichtig: „Euch eure Religion und mir meine“. Er findet es schön, dass München eine Stadt der Vielfalt ist. Er fühlt sich nicht diskriminiert. „Was ich hasse, ist Rassismus. Es wäre langweilig, wenn es hier nur Türken gäbe und genauso langweilig, wenn hier nur Deutsche wären.“ Malak ist gegen Nationalismus, aber sonst spricht er nicht gerne über Politik. Er spüre eine wachsende Islamfeindlichkeit, aber das ändere nichts daran, dass er sich Deutschland verbunden fühlt. „Mein Motto ist: Politik geht, Freundschaft bleibt.“

Artikel 5 von 8