München – Lukas Köhler, 31, pendelt diese Woche zwischen Berlin und München. Seit Sonntag weiß er, dass er die nächsten vier Jahre für die FDP in Berlin sitzt. Platz sechs auf der bayerischen Landesliste reichte für den Einzug in den Bundestag. Ein Büro aber hat der Abgeordnete noch nicht. „Es ist ziemlich stressig, aber dafür hat man sich wählen lassen“, sagt er. Während die FDP-Fraktion sich noch kennenlernt, treibt die Frage nach Jamaika seit der Wahl Deutschland um. Die Koalition zwischen Union, Liberalen und Grünen gilt als wahrscheinlichste Regierungs-Konstellation. Doch der Weg dorthin scheint mühsam und lang.
Einfädeln soll das verzwickte Bündnis offenbar Peter Altmaier, wie die „Bild“ erfahren hat. Der Kanzleramtsminister war schon öfter Merkels Mann für Sonderaufgaben und pflegt vor allem gute Kontakte zu den Grünen.
Doch die kniffligen Probleme liegen für Peter Altmaier diesmal zunächst wohl an anderer Stelle. Die Grünen wirken nämlich – zumindest in der Spitze – durchaus willig. Was nicht bedeutet, dass sie nicht noch zum Fallstrick werden können. Da am Ende die Basis das letzte Wort hat, müssen die Verhandler in den zentralen Fragen (Verbrenner-Ausstieg, Nein zur Obergrenze) überzeugende Ergebnisse liefern. „Ich glaube, dass die Basis mitmachen wird, wenn am Ende klare ökologische und soziale Fortschritte verankert sind“, gibt sich der Münchner Abgeordnete Dieter Janecek optimistisch.
Bei der FDP klingt das schon im Grundsatz zurückhaltender. Selbstverständlich gehe man auch mal mit einem Grünen-Abgeordneten einen Kaffee trinken, aber alle Kontakte zu anderen Fraktionen seien bislang informell, heißt es aus der Fraktion. „Wir haben keine Angst vor Verantwortung“, sagt der Münchner Abgeordnete Daniel Föst. „Der Ball liegt im Feld von Frau Merkel“, sagt sein Fraktionskollege Schulz. Man sei immer gesprächsbereit und alles ergebnisoffen. Es ist das Lindner-Mantra.
Möglicherweise liegt nicht nur der Ball, sondern auch ein dicker Stolperstein für Jamaika im Feld von Angela Merkel. CDU und CSU sind sich derzeit schon ganz ohne die Grünen nicht besonders grün. Auch wenn an Jamaika-Gespräche eigentlich erst zu denken ist, wenn sich das gebessert hat, ließ gestern CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt schon einmal wissen: „Ich teile die Romantisierung von Jamaika nicht.“
Sebastian Horsch