München – Fünfeinhalb Jahre nach Beginn der Renovierungsarbeiten riecht es im Gärtnerplatztheater endlich wieder nach Künstlerschweiß. Ein wunderbares Zeichen, denn das bedeutet: Bald öffnet das berühmte Münchner Theater. Es hat vielen gefehlt, es hat der Stadt gefehlt. „Es geht schon an die Feinarbeit“, sagt Intendant Josef E. Köpplinger, während er auf der neuen Probenbühne mit seinen Darstellern „Die lustige Witwe“ probt. Tag der offenen Tür ist am 8. Oktober. Gesamtkosten des Projekts: über 121 Millionen Euro. Wir haben uns das neue Gärtnerplatztheater angeschaut. Ein Rundgang in neun Schritten.
1. Ein Probensaal für das Orchester
Es ist vielleicht der schönste Raum, der neu hinzugekommen ist. Das Orchester hat jetzt einen lichtdurchfluteten Probensaal – ein architektonisches Schmankerl. Er ist groß, hell und modern. „Es waren Glücksmomente, die wir bei der ersten Probe erlebt haben“, sagt Iris Egger, die künstlerische Betriebsdirektorin. Und auch die Nachbarn können sich freuen – dafür hat die Regierung von Oberbayern mit ihren Bauauflagen gesorgt. Die spektakulären, dreifach verglasten Fenster lassen sich nicht öffnen – so gut wie kein Probenton wird nach draußen dringen. Noch so ein Glücksfall: Der Saal soll für kleine Kammerkonzerte genutzt werden, sodass auch Gäste den Raum genießen können.
2. Von außen – alles beim Alten
Wer fünfeinhalb Jahre nicht in München war, der wird den Umbau fast nicht bemerken. Äußerlich zumindest. Das Theater sieht von außen fast wie davor aus. Einzig an der Klenzestraße gibt es einen Neubauteil mit großen Fensterfronten, der sich an die alte Fassade schmiegt.
3. Endlich – eine Probenbühne im Haus
Die Schauspieler des Gärtnerplatztheaters sind zuletzt viel rumgekommen in München – für jede Probe mussten sie nach Harlaching fahren. Jetzt hat sich der große Traum des Intendanten verwirklicht: Das Haus hat eine eigene Probenbühne, sie ist exakt so groß wie das Original. Sie befindet sich im neu geschaffenen Untergeschoss.
4. Das Foyer im zweiten Stock
Von hier hat man den besten Blick auf den Gärtnerplatz. Im Moment ist der Raum noch leer, aber schon bald wird hier die Bar ihre Heimat finden, wie schon vor der Renovierung. Das opulente Wandgemälde mit seinen Reitern, Tänzern, Musikern wurde restauriert – und zwar von der Tochter des Künstlers, der das Original in den Sechzigerjahren gestaltet hat. Früher waren an den Fenstern riesige Vorhänge – sie wurden entfernt.
5. Die Kantine mit Traumblick
In der neuen Kantine gibt es Flammkuchen, aber auch Antipasti mit Graubrot. Klingt gut. Aber das Problem ist: Sie ist nicht öffentlich, sondern nur für Mitarbeiter. Aber alleine für die Dachterrasse, die zur Kantine gehört, lohnt sich ein Praktikum beim Gärtnerplatztheater. Zur Not auch ein unbezahltes, die Aussicht ist schlicht: ein Traum.
6. Neues Münchner Markenzeichen
Der Orchesterprobensaal ist von innen schon spektakulär, von außen hat er das Zeug zu einem neuen Münchner Markenzeichen, das demnächst in Fotobänden und auf Postkarten erscheinen wird. Auch hier gibt es ein Problem: Man sieht die moderne, schuppenartige Architektur als normaler Besucher von keinem einzigen Ort. Nur von der Kantine aus.
7. Die neuen Künstlergarderoben
Auch hier viel Holz, viel Weiß, dazu große Spiegel. Die Schauspieler sollen sich in der alten Heimat wohlfühlen, das merkt man den neu gestalteten Garderoben an.
8. Der moderne Empfangsbereich
Gleich beim Eingang rechts ist wie früher der Empfangsbereich. Es dominieren die Farben Gold und Weiß. Im Hintergrund hängen zwei große Bildschirme, die die Besucher informieren.
9. Mehr Luft im Zuschauerraum
Auf den ersten Blick ist alles beim Alten, wenn man sich im Zuschauerraum auf seinen Platz setzt. Dennoch gibt es einige größere Änderungen. Die Sitze sind neu gepolstert – und es war ein ziemlicher Aufwand, die Lüftungsschlitze unter den Sitzen zu vergrößern, damit mehr Luft in den Raum gelangt. Dazu musste die Bodenplatte erneuert werden. „Dieses Theater war eine verdammt schwierige Maßnahme“, sagt Kurt Bachmann, der zuständige Behördenleiter des Staatlichen Bauamts München 1. Aber alle Beteiligten sagen: Das Warten hat sich gelohnt. Ach ja, noch was ist neu – die Akustik. Der Klang soll besser sein als früher. Der Orchesterbereich wurde umfangreich umgebaut. Die Theaterspiele im Herzen Münchens können wieder beginnen. Gut so.