Las Vegas – Er war ein pensionierter Buchhalter mit Leidenschaft für das Glücksspiel, lebte unauffällig auf einer Golfanlage in der Wüste von Nevada und hatte offenbar keinerlei Vorstrafen. Nichts an der bislang bekannten Vorgeschichte von Stephen Craig Paddock, 64, deutet darauf hin, was ihn zu einer der fürchterlichsten Gewalttaten der US-Geschichte antrieb.
Die Terrorgruppe Islamischer Staat reklamierte die Bluttat zwar rasch für sich und erklärte, der Schütze sei vor einigen Monaten zum Islam konvertiert. Doch nach Angaben des FBI lieferten erste Ermittlungen keinerlei Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund. Offenbar hatte Paddock die Bluttat gründlich vorbereitet. Seine Suite im 32. Stockwerk des Hotel-Casinos „Mandalay Bay“ bezog der grauhaarige und bärtige Mann bereits drei Tage vor der Tat.
Von dort aus hatte er eine perfekte Aussicht auf das Festivalgelände auf der anderen Straßenseite. Und er schaffte es, unbemerkt mindestens 23 Schusswaffen in die Suite zu bringen, darunter Sturmgewehre, einige mit Zielfernrohr. Offenbar schaffte Paddock sein Arsenal in mehr als zehn Koffern auf sein Zimmer. In seinem Wagen fanden die Ermittler zudem Ammoniumnitrat, das zum Bombenbau verwendet werden kann.
Ob Paddock von politischen Motiven oder von Wahnvorstellungen angetrieben war, lag zunächst völlig im Dunkeln. Seine Angehörigen zeigten sich schockiert. „Es ist, als ob gerade ein Asteroid auf unsere Familie niedergestürzt wäre. Wir haben keine Ahnung, wie das passiert ist“, sagte sein Bruder Eric Paddock. Stephen beschreibt er als wohlhabenden Mann, der Kreuzfahrten unternahm und Video-Poker spielte. Erst kürzlich soll er einen Jackpot von 20 000 Dollar gewonnen haben.
Der Massenmörder lebte zuletzt in Mesquite, einer Rentnergemeinde nordöstlich von Las Vegas. Ein weiteres Haus besaß er im Spielerparadies Reno. Beide Immobilien sollen zusammen mehr als eine halbe Million Dollar wert sein. Laut Medienberichten besaß Paddock auch zwei Kleinflugzeuge. Paddock lebte in Mesquite mit einer 62-jährigen Frau zusammen. Seine mutmaßliche Lebensgefährtin ist eine Australierin philippinischer Abstammung und hielt sich nach Angaben der Ermittler zum Zeitpunkt des Massakers im Ausland auf.
Zumindest eine Auffälligkeit gibt es in der Vorgeschichte des Massenmörders. Sein vor Jahren verstorbener Vater war ein Bankräuber. Er wurde nach einem Gefängnisausbruch acht Jahre lang vom FBI auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geführt. Auf einem „Gesucht“-Plakat wurde der Vater als gefährlicher „Psychopath“ beschrieben. afp