Katalonien will in den nächsten Tagen gegen den Willen der Zentralregierung seine Unabhängigkeit erklären – möglicherweise schon am Montag. Was passiert danach?
Was würde nach der Unabhängigkeitserklärung passieren?
Es wird nicht von heute auf morgen ein neues Land geben. Das vom Parlament in Barcelona verabschiedete „Abspaltungsgesetz“ sieht die Ausarbeitung einer Verfassung sowie Wahlen innerhalb eines Jahres vor. Die Liste der Aufgaben wäre lang: Man müsste unter anderem eine eigene Währung schaffen und Geld sowie Millionen Reisepässe drucken. Zudem hat Katalonien keine Armee.
Was wird die Regierung in Madrid tun?
Justizminister Rafael Catalá warnt, Madrid werde eine Abspaltung mit allen Mitteln verhindern. Notfalls mit Einschränkungen und mit Gewalt. Die Generalstaatsanwalt schloss die Festnahme des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont nicht aus.
Ist ein Bürgerkrieg auszuschließen?
Eine bewaffnete Auseinandersetzung größeren Ausmaßes hielt bisher in Spanien niemand für möglich. Der Kolumnist Lluís Bassets schrieb nach den Gewaltszenen beim Referendum vom Sonntag, in Spanien würden Erinnerungen an den Bürgerkrieg von 1936 bis 1939, an „die schlimmsten Jahre unserer Geschichte“, plötzlich wieder wach.
Könnte die EU vermitteln?
Puigdemont hat bis zuletzt betont, er würde eine internationale Vermittlung zum Beispiel durch die Europäische Union sofort akzeptieren. Madrid lehnt diese ab. Man könne mit Gesetzesbrechern nicht verhandeln, erklärt die Regierung.
Was fürchten die Spanier am meisten?
Bei einer Abspaltung würde Spanien ein Gebiet mit rund 7,5 Millionen Einwohnern verlieren, das etwa so groß ist wie Belgien. Und dazu auch noch auf einen Schlag ein Fünftel seiner Wirtschaftskraft. Gemäß „Abspaltungsgesetz“ wollen sich die Katalanen nach der Unabhängigkeit auch Besitz des spanischen Staates in der Region aneignen.