In diesen Zeiten ist es eine ungewöhnliche Doppelrolle. Jenovan Krishnan, 26, gebürtiger Bayer aus Kempten, ist Mitglied im Bundesvorstand der CDU von Parteichefin Angela Merkel. Krishnan ist Bundesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS).
Bayer und in Merkels Bundesvorstand – fühlen Sie sich als eine Art Wolpertinger in der Union?
(lacht) Ja, es ist schwierig. Ich verstehe beide Seiten irgendwo. Wir müssen uns ernsthaft zusammensetzen und die Dinge beim Namen nennen. Die Union hat eine klare Wahlniederlage erlebt – die CDU minus sieben Punkte, die CSU minus elf. Das hat damit zu tun, dass wir als Union stark Profil verloren haben. Das müssen wir korrigieren.
Wie groß ist der Spalt?
Der Konflikt ist emotionsgeladen, von beiden Seiten – von den Kritikern ebenso wie von den Unterstützern der Kanzlerin, die begeistert von ihrer Politik sind. Wichtig ist, dass wir ihn sachlich und nüchtern austragen, die andere Seite nicht diffamieren. Wir sollten uns alle zusammenreißen.
Sie haben Merkels Auftritt vor der JU in Dresden miterlebt. Zufrieden?
Man muss ihr lassen: Sie hat sich den kritischen Fragen gestellt, hat sich das alles angehört. Ich bin aber unzufrieden mit ihren Antworten zu drängenden Themen wie Doppelpass oder Migration. Da hat die Kanzlerin eine Gelegenheit verpasst, Klartext zu reden. Das erwarten die Menschen von uns jetzt deutlich stärker.
Sie kennen die Kanzlerin aus der Nähe. Ist sie beeindruckt, wenn man ihr Protestplakate vorhält?
Sie wird es zur Kenntnis genommen haben. Ihre Berater haben sie sicher darauf vorbereitet.
Welchen Ausgang der Personaldebatte um Seehofer erwartet man in der CDU-Spitze?
Besser für die Union wäre, wenn Seehofer vorerst bleibt. Er wird sich, denke ich, mit seinen Forderungen gegenüber der CDU in abgespeckter Form durchsetzen. Für die Union sind Seehofer und die CSU als Kurskorrektiv aktuell sehr wichtig.
Merkel hat einen Parteitag zum Koalitionsvertrag versprochen. Gut so?
Ich habe das Gefühl, dass es notwendig ist, diese Entscheidung an der Basis zu treffen – wir brauchen eine Mitgliederbefragung, wie Grüne und FDP auch. Das hilft uns auch, uns in Koalitionsverhandlungen weniger erpressbar zu machen.
Interview: Christian Deutschländer