Historie und Zukunft

von Redaktion

Vom Hanselbauer zum Zickzack-Hotel

Es war der sogenannte Röhm-Putsch, der das Hotel Lederer zum geschichtsträchtigen Ort werden ließ. Damals, am 30. Juni 1943, hieß das Hotel noch Hanselbauer. Früh am Morgen klopfte Adolf Hitler persönlich an die Zimmertür seines Duz-Freundes Ernst Röhm, die Pistole in der Hand. Hitler verhaftete den SA-Chef. Einen Tag später wurde Röhm erschossen. Das Geschehen steht für die Entmachtung der SA.

Das Zimmer, in dem Röhm damals mit einem jungen Mann schlief, gibt es heute noch. Zuletzt hat Josef Lederer es einem Kamerateam aus Paris gezeigt. Das französische Fernsehen interessiert sich für dieses Stück deutscher Geschichte. Lederer hat das Röhm-Zimmer ins Feld geführt, um dem Gebäude Denkmalschutz zu verschaffen. Doch nach Einschätzung des Landesamtes für Denkmalpflege wurde der frühere Hanselbauer so stark verändert, dass der Erhalt des Gebäudes nicht geboten ist.

Damit ist für die Gemeinde Bad Wiessee der Weg frei für den großen Wurf. Die Seepromenade soll im Bereich ums Lederer und das ehemalige Spielbankgelände neu entstehen. Dazu hat die Kommune Investor Thomas Strüngmann auch ihr Haus des Gastes verkauft. Es soll mit dem Lederer abgebrochen werden, ebenso wie das benachbarte Hotel Wittelsbach. Das schafft Platz für ein Luxushotel in Zickzack-Form. Mit 120 bis 140 Zimmern fällt es deutlich kleiner aus als frühere Entwürfe. „Wir wollen ein dem Ort angepasstes, kleines Hotel, das durch seinen Service besticht“, erklärte Athos-Geschäftsführer Thomas Maier im Juli dem Gemeinderat von Bad Wiessee. Der stimmte den Plänen einhellig zu, das Genehmigungsverfahren läuft. Zum Entwurf gehören zudem fünf Wohn- und Geschäftshäuser. Ein Novum: Bislang war Wohnungsbau an dieser Stelle nicht erlaubt.

Eben dies beklagte Lederer bei einer Bürgerversammlung im Juli. Er erinnerte daran, dass ihm einst der Wunsch, 17 Appartements verkaufen zu dürfen, verwehrt wurde. Bürgermeister Peter Höß widersprach nicht. Alten Unterlagen habe er entnommen, dass Lederer früh Entwicklungen angekündigt habe, die tatsächlich eingetreten seien. Die monierten Entscheidungen seien aber vor seinem Amtsantritt gefallen, so Höß: „Ich kann das nicht rückgängig machen.“  jm

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