Was geschieht hormonell?
Mit Beginn der Pubertät produziert der Körper verstärkt Sexualhormone. Sie sorgen dafür, dass die Geschlechtsorgane reifen und die Jugendlichen fortpflanzungsfähig werden. Bei Mädchen nimmt die Menge an Östrogenen und Gestagenen zu. Bei Jungs sind vor allem die Androgene wichtig, das bekannteste Androgen ist Testosteron. Außerdem wird während der Pubertät das Einschlafhormon Melatonin später ausgeschüttet. „Viele Jugendliche werden von der Lerche zur Eule“, sagt der Schweizer Pädagoge und Pubertätsforscher Christoph Bornhauser.
Was verändert sich im Gehirn?
Dachte man früher, das Gehirn sei im Kindesalter ausgereift, hat die Neurowissenschaft in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass sich bei Jugendlichen entscheidende Areale umstrukturieren. Besonders im präfrontalen Cortex, einer Region direkt hinter der Stirn, finden Umbauarbeiten statt, sagt Bornhauser: „Hier ist ein starkes Wachstum an Nervenzellen bei gleichzeitigem Verlust an alten Nervenbahnen zu beobachten.“
Wie wirkt sich das auf die Jugendlichen aus?
Das Testosteron macht Jungs risikofreudiger und aggressiver. Das Östrogen lässt Mädchen empfindlicher und emotionaler werden. Eltern erkennen ihre Kinder in der Pubertät oft nicht mehr wieder. Viele Veränderungen kommen auch durch die Baustelle im Gehirn und die hormonelle Umstellung. Die Null-Bock-Stimmung der Kinder ist auf die Reduktion des Botenstoffes Dopamin zurückzuführen. Dopamin löst Glücksgefühle aus. Da bei Jugendlichen weniger Dopamin-Rezeptoren vorhanden sind, braucht ihr Belohnungssystem einen stärkeren Anreiz. So lässt sich eine Neigung zu Alkohol und Rauschmitteln erklären, deren Konsum zu einer Ausschüttung von Dopamin führt. Starke Auswirkungen auf das Verhalten hat der Umbau des präfrontalen Cortex. „Höchste menschliche Qualitäten, wie das Denken in die Zukunft oder das moralische Urteilungsvermögen funktionieren nicht mehr“, sagt Bornhauser. Auch das Kreislaufdenken setze aus: „Die Schubladen und die Zahnpasta bleiben offen.“ Der präfrontale Cortex ist zudem für die Impulskontrolle zuständig. „Wenn starke Emotionen aus dem Mantelkern des Gehirns kommen, wie Wut oder Stress, rasten die Teenager schnell aus“, sagt Bornhauser. Fokussierung und Konzentration falle den Jugendlichen schwer, die Risikobeurteilung sei beeinträchtigt.
Beginnt die Pubertät immer früher?
Laut einer Studie des Berliner Robert-Koch-Instituts haben Mädchen in Deutschland durchschnittlich mit 12,8 Jahren ihre erste Menstruation, das mittlere Alter für eine tiefere Stimme bei Jungen liegt bei 15,1 Jahren. Damit hat sich die Pubertät in den vergangenen 100 Jahren um zwei Jahre nach vorne verlagert. Vermutet wird, dass dies mit unserer reichhaltigen Nahrung und den besseren gesundheitlichen Voraussetzungen zusammenhängt. Die körperlichen Veränderungen beginnen bei den Mädchen mit elf bis zwölf, manche sind auch erst neun Jahre alt. Jungs sind mit 13 bis 15 Jahren durchschnittlich zwei Jahre später dran.
Ist das erste Mal immer früher?
„Die Jugendlichen warten tendenziell wieder länger“, sagt Bornhauser. Dies bestätigt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015. Mädchen und Jungs haben mit 14 Jahren noch kaum sexuelle Erfahrungen (6,3 Prozent). Im Zeitraum von 1998 bis 2005 wurden hier zweistellige Werte erreicht (bis 12 Prozent). Mit 17 Jahren hatten 65 Prozent der Mädchen und 58 Prozent der Jungs schon Geschlechtsverkehr. „Die Jugendlichen machen sich viele Gedanken“, sagt Bornhauser. Besonders Mädchen würden Sexualität und Liebe verbinden wollen: „Sie überlegen, ob er der Richtige ist.“
Wie kann man Konflikte vermeiden?
In der Pubertät nabeln sich die Jugendlichen ab. „Ist die Beziehung zu den Eltern eng, müssen sich die Jugendlichen freistrampeln“, erläutert Psychologe Jürgen Wolf. Konflikte sind deshalb normal. Einen Trost hat er: „Werden sie hauptsächlich zu Hause ausgetragen, ist das ein Kompliment an die Eltern.“ Es zeige, dass eine gute Vertrauensbasis da ist.
Wann ist die Pubertät vorbei?
Der körperliche Umbau ist bei Mädchen meist mit 15 Jahren abgeschlossen, bei Jungs mit 18 Jahren, so Bornhauser. Erwachsen sind die Jugendlichen dann aber noch nicht, darin sind sich die Experten einig. „Erwachsen werden Kinder erst, wenn sie ausgezogen sind“, sagt Wolf.