Nicht Mann, nicht Frau? Intersexualität und ihre Ursachen

von Redaktion

Wie das Zusammenspiel von Erbgut und Hormonen das Geschlecht bestimmt – und warum das eben nicht immer so klar ist

München – Ist es ein Mädchen oder ein Bub? Spätestens nach der Geburt sollte die Antwort auf diese Frage klar sein – ist es aber nicht immer. Denn manchmal lässt sich das Geschlecht nicht so eindeutig zuordnen. „Zwitter“ oder „Hermaphroditen“ wurden solche Menschen früher auch genannt. Heute spricht man meist von „Intersexuellen“ oder auch von Menschen, die einem „dritten Geschlecht“ angehören – weil sie sowohl männliche als auch weibliche Merkmale haben.

Die Gründe dafür sind vielfältig, können etwa in den Genen liegen oder auf hormoneller Ebene. Hierzu muss man wissen, dass normalerweise schon im Erbgut festgelegt ist, ob jemand männlich oder weiblich ist. Entscheidend hierfür ist die Kombination der sogenannten Geschlechts-Chromosomen X und Y. So stecken in jeder Körperzelle einer Frau zwei X-Chromosomen. Männer haben dagegen ein X- und ein Y-Chromosom. Doch kommt es selten eben auch mal vor, dass ein Mensch nur ein Geschlechts-Chromosom hat oder aber gleich drei.

Äußerlich muss das nicht sofort auffallen. So haben Menschen, deren Zellen nur ein X-Chromosom enthalten, in erster Linie weibliche Geschlechtsmerkmale. Betroffene wissen daher nicht immer, dass ihr Geschlecht genetisch nicht so klar definiert ist, wie sie glauben. Bei Menschen mit der Chromosomen-Kombination „XXY“ dominieren dagegen meist männliche Merkmale. Die aber sind oft nicht so ausgeprägt, durch das zusätzliche „X“ sind Penis und Hoden oft deutlich kleiner. Betroffene wachsen dennoch meist als Buben auf beziehungsweise leben später oft als Männer.

Zur Gruppe der Intersexuellen gehören auch Menschen, bei denen auf den ersten Blick alles klar zu sein scheint. Manche wissen daher gar nicht, dass ihre äußeren Merkmale nicht zu ihrem genetischen Geschlecht passen. Sie sehen bei der Geburt zum Beispiel aus wie normale Mädchen, manche leben auch Erwachsene als Frauen – obwohl sie genetisch gesehen männlich sind. Die Ursache kann eine „Androgenresistenz“ sein: Bei Betroffenen reagiert der Körper teils oder gar nicht auf das Sexualhormon Testosteron. Sie entwickeln daher – je nach Ausprägung – eher weibliche Geschlechtsorgane.

Auch Kinder mit einem „5-alpha-Reduktase-Mangel“ wachsen zunächst meist als Mädchen auf. Erst in der Pubertät bildet ihr Körper genug des Hormons „Dihydrotestoteron“. Die Folge: Die Klitoris vergrößert sich und wächst zu einem Penis heran. Die Hoden, zuvor im Bauchraum versteckt, wandern in den sich bildenden Hodensack. So wird aus einem vermeintlichen Mädchen ein junger Mann – oft ohne ärztlichen Eingriff.

Solche Eingriffe waren früher nicht unüblich, wenn das Geschlecht beim Kind nicht eindeutig war. Viele Eltern entschieden sich für geschlechtsangleichende Operationen – in der Hoffnung, dem Nachwuchs so das Leben zu erleichtern. Hier ist man heute zurückhaltender, auch weil sich oft erst später zeigt, welchem Geschlecht sich Betroffene stärker zugehörig fühlen – und weil sich manche eben einer eigenen Gruppe zugehörig fühlen, dem dritten Geschlecht.

„Transsexuelle“ gehören übrigens nicht zu den Intersexuellen. Bei ihnen ist das Geschlecht genetisch und optisch klar festgelegt. Sie fühlen sich aber dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig. Manche drücken das optisch aus, andere durch einen medizinischen Eingriff. andrea Eppner

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