München – Es ist ein Phänomen: Sobald die Temperaturen in den Keller rauschen, nehmen bestimmte Krankheiten extrem zu, die auf den ersten Blick nichts mit dem Wetter zu tun haben. „Im Januar fehlen die meisten Menschen aufgrund von Depressionen im Job. In keinem anderen Monat gibt es deswegen mehr Krankmeldungen“, sagt Günter Köll, Chef der DAK-Gesundheit in München. Im ersten Monat des Jahres gehen rund 15 Prozent mehr gelbe Scheine mit dieser Diagnose bei der Krankenkasse ein als im Schnitt. „Nach den Feiertagen im Dezember scheinen viele Menschen ein seelisches Tief zu erleben“, sagt Köll.
Depressionen sind längst eine Volkskrankheit. Der neue DAK-Gesundheitsreport 2017, der speziell auf Oberbayern blickt, bestätigt das. Depressive Episoden und wiederholte depressive Episoden liegen inzwischen auf Platz 3 und 4 der Krankheitstabelle (siehe Grafik). Auf je 100 Versicherte kommen über 56 Fehltage wegen depressiver Episoden. Besonders auffällig ist die extrem lange Falldauer bei psychischen Erkrankungen. 53,5 Tage oder in schlimmeren Fällen sogar 85 Tage.
Zum Vergleich: Bei einem Bandscheibenschaden sind die Oberbayern im Schnitt fast 40 Tage krank geschrieben, bei Zerrungen der Fußgelenke 17 Tage, bei einer gebrochenen Hand 51 Tage und bei einer Magen-Darm-Entzündung vier Tage. „Psychische Erkrankungen, die durch chronischen Stress verursacht wurden, werden heute eher als Anpassungsstörung oder Depression erkannt“, sagt Günter Köll, dessen Krankenkasse in ganz Bayern 800 000 Versicherte hat. Sprich: Das Bewusstsein für diese Art der Krankheit ist in den letzten Jahren extrem gewachsen (siehe Interview & Artikel unten).
Der größte Krankmacher in Oberbayern ist weiterhin die akute Erkältung. Sie ist für 6,6 Prozent aller Fehltage und 15,8 Prozent aller Krankschreibungen verantwortlich. Auf Platz 2 liegen Rückenschmerzen (fünf Prozent aller Fehltage).