Der Münchner Polizeisprecher Werner Kraus über die wachsenden Probleme am Hauptbahnhof.
Was sind für die Polizei die größten Probleme am Hauptbahnhof?
Alkoholbedingte Störungen, Gewaltdelikte, Drogenkriminalität und illegale Prostitution – in geringerem Umfang auch Bettelei.
Wie hat sich die Kriminalität am Hauptbahnhof entwickelt?
Die Zahl der Straftaten nahm dort 2016 um 52,6 Prozent auf 4058 zu. Beinahe ein Drittel des stadtweiten Verbrechens-Anstiegs entfällt auf den Hauptbahnhof. Unter anderem sind das Drogendelikte. 2016 registrierte die Polizei eine Zunahme von 518 Fällen auf 1078 Verstöße. Dabei gilt allerdings: Je stärker die Polizei präsent ist, desto mehr Dealer erwischt sie. Ein Anstieg derartiger Straftaten in der Statistik belegt also nicht zwangsläufig, dass mehr gedealt wurde, sondern auch, dass die Polizei viele Rauschgiftkuriere und -händler geschnappt hat. Außerdem registrierte das Präsidium 212 Gewaltdelikte mehr als im Jahr zuvor.
Wer steckt hinter den Drogengeschäften rund um den Bahnhof?
Wir können immer wieder Kleindealer verschiedener Herkunft festnehmen. Die Mehrheit hat ihren Wohnsitz nicht in München.
Wo bunkern diese Dealer ihre Drogen?
Die Dealer, die potenzielle Kunden ansprechen, haben selbst keine Drogen dabei. Die Drogen werden erst nach einem Verkaufsgespräch aus sogenannten Bunkern geholt, zum Beispiel Blumentöpfen in den angrenzenden Straßen.
Was hält die Polizei von einem Trinkraum, den die SPD-Fraktion fordert?
Neben der Polizei müssen auch andere Behörden und öffentliche Träger ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Die Maßnahmen der Polizei führen letztendlich nur zu einer Verdrängung. Eine Anlaufstelle für hilfsbedürftige Menschen ist sicher eine geeignete Möglichkeit, die Problematik mit zu entschärfen.
Zeigt das Alkoholverbot Wirkung?
Fakt ist, dass die Straftaten von Januar bis September 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich – im niedrigen zweistelligen Prozentbereich – zurückgegangen sind. Ob dies tatsächlich mit dem Alkoholverbot zusammenhängt, ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht nachweisbar.
Interview: Stefanie Wegele