Anton Wald ist Betriebsratsvorsitzender bei der Allianz Private Krankenversicherung in München.
Herr Wald, die SPD will die Bürgerversicherung – und macht das zur Bedingung für eine Große Koalition. Sorgen Sie und Ihre Kollegen sich um Ihren Arbeitsplatz?
Ja, die Leute haben Angst. Ich werde bereits auf dem Flur darauf angesprochen. Sie müssen sich vorstellen: Für die privaten Krankenversicherer und ihre Mitarbeiter geht es um circa 50 000 Arbeitsplätze.
Das ist übertrieben, sagt Karl Lauterbach von der SPD. Schließlich könnten die Privatversicherungen auch die Bürgerversicherung anbieten.
Das sagt Herr Lauterbach. Aber die Allianz zum Beispiel ist ein privates Unternehmen. Es gelten andere Regeln und Gesetze als für die gesetzlichen Kassen, die Körperschaften öffentlichen Rechts sind und bereits jetzt 90 Prozent der Deutschen versichern. Ich glaube nicht, dass Unternehmen sich auf einen solchen Wettbewerb einlassen würden. Man könnte vielleicht Zusatzversicherungen anbieten. Doch ob das ausreicht, um zu überleben?
Sie stemmen sich mit einer bundesweiten Betriebsratsinitiative gegen die Bürgerversicherung.
Ja, wir haben schon bei den letzten beiden Bundestagswahlen dagegen gekämpft. Wir haben viele Gespräche mit Politikern geführt, vor allem mit denen, die eine Bürgerversicherung wollen. Aber da sind wir leider oft auf viel Ideologie oder wenig Sachverstand gestoßen. SPD-Chef Martin Schulz wollte vor der Wahl nicht einmal mit uns sprechen. Der Mann stellt sich hin und nennt den Abbau von 3000 Stellen bei Siemens asozial. Aber um die über 50 000 Arbeitsplätze in der Versicherungsbranche und die vielen weiteren, die an diesem System hängen, macht er sich keine Gedanken.
Aber Sie können doch auch nicht bestreiten, dass das bisherige System Schwächen hat.
Das deutsche Gesundheitswesen ist weltweit das beste. Aber auch bei uns kann noch einiges besser werden. Auch die Privaten Versicherungen müssen ihr Modell überarbeiten und tun dies bereits. Wir als Betriebsrat setzen uns dafür ein. Aber ich kämpfe auch für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Wenn Herr Schulz oder Herr Lauterbach eine Lösung haben, die nicht 50 000 Jobs gefährdet, sind wir dabei. Aber auf die Frage, wie das funktionieren kann, kam nie eine Antwort.
Interview: Sebastian Horsch