Die Heiligen des Herrn: Päpste und gefallene Engel

von Redaktion

Bayerisches Brauchtum ist eng mit der Verehrung von Schutzpatronen verbunden – Ein kurzer Überblick über beliebte Heilige

München – Nicht einmal die katholische Kirche weiß genau, wie viele Heilige und Selige in den christlichen Konfessionen verehrt werden. 6650 Heilige und Selige sowie 7400 Märtyrer führt das „Martyrologium Romanum“ auf, das 2004 aktualisiert wurde. Einen Anspruch auf Vollständigkeit hat das Werk aber nicht: Bevor Papst Sixtus V. das Heiligenwesen 1588 regelte, verehrte das Volk, wen es für verehrenswert hielt.

Unumstritten ist dagegen, dass das Heiligengedenken in keiner Region Deutschlands eine größere Rolle spielt als in Bayern. Katholisches Brauchtum ist fester Bestandteil im Dorfleben vieler Gemeinden – und im Leben vieler Menschen im Freistaat. Zu den am meisten verehrten Heiligen des Alpenraumes zählt der Schutzpatron der Gefangenen, der zugleich der Schutzheilige für das Vieh ist. Leonhard soll im 6. Jahrhundert zunächst am Hof der Merowinger gelebt haben und dann in einen Wald nahe der französischen Stadt Limoges gezogen sein, wo er der Legende nach Wunder wirkte. Die Feier zum Gedenken des heiligen Leonhard wird mit Prozessionen begangen. Die größte und bekannteste ist die Leonhardi-Fahrt in Bad Tölz.

Der Heilige, der die Bayern zum Glauben brachte, ist auch der Patron des Erzbistums München und Freising: St. Korbinian, geboren in der Region Ile-de-France. Er lebte im 7. Jahrhundert als Eremit und predigte in seiner Heimat, ehe ihn Papst Gregor II. wegen seiner Redegewandtheit nach Bayern schickte. Der heilige Korbinian, der der Legende nach einen Bären als Lasttier nutzte, war der erste Bischof des Bistums, seine Reliquien liegen im Dom von Freising. Papst Benedikt XVI. führt den Bären, der Teil der Heiligengeschichte Korbinians ist, in seinem Papstwappen.

Unter den Heiligen und Seligen, die die christlichen Konfessionen verehren, befinden sich auch Päpste. 2014 wurde Johannes Paul II. zusammen mit Johannes XXIII von Papst Franziskus heiliggesprochen. Johannes Paul II. war bereits 2011 vom emeritierten Papst Benedikt XVI. wegen der Heilung einer an Parkinson erkrankten Nonne seliggesprochen worden. Am Tag seiner Seligsprechung, der 1,5 Millionen Menschen in Rom beiwohnten, soll eine Frau in Costa Rica von einem Aneurysma geheilt worden sein – das zweite für die Heiligsprechung notwendige Wunder.

Wunder soll auch die Schutzpatronin der Stadt und des Bistums Augsburg vollbracht haben. Dabei sieht das Leben der heiligen Afra, die im 3. Jahrhundert lebte, zunächst wenig heilig aus: Von ihrer Mutter wurde sie der Göttin Venus geweiht, was bedeutet, dass Afra in Rom ein Bordell betrieb und als Prostituierte arbeitete. Im Traum soll sie die Aufforderung erhalten haben, nach Augsburg zu gehen, wo der gefallene Engel ebenfalls zwei Bordelle betrieb. Bekehrt wurde Afra während der Christenverfolgung: Bischof Narzissus von Gorona fand in ihrem Freudenhaus Unterschlupf. Afra ließ sich taufen und wurde, weil sie dem christlichen Glauben nicht abschwören wollte, zum Tode verurteilt. Die heilige Afra gilt als eine der ersten christlichen Märtyrerinnen.

Tugendhafter verlief dagegen das Leben von Mutter Teresa, der heiligen Teresa von Kalkutta. Nach ihrem Tod 1997 wurde die weltberühmte Ordensschwester und Friedensnobelpreisträgerin 1999 seliggesprochen, drei Jahre später erkannte Papst Johannes Paul II. die Heilung einer Inderin von einem Tumor am Magen als Wunder an. 2016, im heiligen Jahr der Barmherzigkeit, wurde Mutter Teresas Heiligsprechung am Vortag ihres liturgischen Gedenktages von Papst Franziskus proklamiert. Kathrin Brack

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