4 Fragen aN

„Ich halte hier die Stellung“

von Redaktion

Helmut Amberger, 66, aus der Oberpfalz lebt seit über 40 Jahren in der Hauptstadt. Der Familienvater ist Elektroingenieur und leitet den Verein der Bayern in Berlin.

Woran liegt es, dass in Berlin so viel schiefgeht?

Eindeutig an der Verwaltung und an der Politik. Gerade was die Verwaltung angeht, herrscht in Berlin echtes Chaos. Teilweise muss man extrem lange auf Bescheide warten – Wochen auf Fahrzeugzulassungen, monatelang auf Eheschließungen. Die Finanzierung dürfte nicht das große Problem sein, denn auch dank des Länderfinanzausgleichs ist Geld da. Doch gerade im Verwaltungsapparat wird enorm gespart. Bestimmte Gelder werden nicht sinnvoll eingesetzt. Die Behörden sind extrem überfordert, weil die Entscheidungsträger unvernünftig handeln. Stichwort Lageso: In dem Landesamt für Gesundheit und Soziales gibt es zwar genug Stellen, nur werden diese nicht alle besetzt. Oft wird einfach an den falschen Stellen gespart – so entstehen Pannen.

Mal blöd gefragt: Wäre das anders, wenn alle wichtigen Ämter von Bayern besetzt wären?

Ja, auf jeden Fall. Das wäre optimal. Denn dann wäre es in Berlin so wie im Freistaat: Es würde einen ausgeglichenen Haushalt geben und keine Schuldenkrise. Außerdem hätten die Behörden die Kriminalität besser im Griff. So extrem wie es in der Berliner Drogenszene zugeht, kennt man das in Bayern gar nicht. Wenn zum Beispiel Drogendealer am Schlesischen Tor Spalier stehen und den Passanten Drogen anbieten, schauen die Behörden zu und unternehmen nichts. Bayerische Amtsträger würden einfach die bestehenden Gesetze anwenden.

Wie gehen die Berliner mit den Pannen um?

Obwohl sie teilweise schon zum Alltag gehören, haben sich die Berliner noch nicht daran gewöhnt. Sie sind zum Teil sehr frustriert, da sie selbst in ihrer Stadt überfordert sind und nicht wirklich wissen, wo es langgeht. Deshalb werden die Leute auch unfreundlicher. Man spürt in Berlin mittlerweile förmlich, dass hier nichts vorwärts geht. Erst neulich sagte mir ein Besucher: Berlin ist nicht mehr das, was es mal war.

Verzweifeln Sie auch ab und zu an Ihrer Stadt?

Ich nicht, nein. Zusammen mit dem Verein der Bayern in Berlin halte ich hier die Stellung. Mein zweites Standbein habe ich zwar nach wie vor in der Oberpfalz. Aber eine Rückkehr ist nicht in Sicht.

Interview: Magdalena Höcherl

Artikel 4 von 5