Wolfgang Junkermann, 67, ist Klimaforscher am Karlsruher Institut für Technologie. Er arbeitet am Standort für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen.
Die US-Ostküste wurde von einer Kältewelle überrollt, aber alle reden vom Klimawandel. Wie passt das zusammen?
An der amerikanischen Ostküste ist es zwar sehr kalt, dafür ist es zum Beispiel in Alaska umso wärmer. Die Kältewelle ist ein kurzfristiges Wetterproblem. Das Klima ist jedoch ein langfristiges Phänomen. Es wird weltweit durchaus wärmer. Wie stark solche Wetterextreme wie in den USA werden, hängt vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab. Unsere Klimamodelle sagen eine Erderwärmung voraus. Dann müssen wir damit rechnen, dass solche extremen Episoden stärker auftreten.
In Australien dagegen herrscht enorme Hitze. Sind diese extremen Wetterlagen normal?
Es ist jetzt besonders heiß, aber ich weiß, dass ich dort vor zehn Jahren auch schon mit 45 Grad zu kämpfen hatte. Es gibt einfach Wetterphasen, die durchaus so warm sein können. Generell geht der Trend zu sehr warmen Wetterlagen. Doch dass es mal extrem kalt wird, ist genauso möglich.
Stufen wir Wetterlagen mittlerweile schneller als extrem ein?
Das würde ich nicht sagen. Doch mittlerweile machen sich mehr Meldungen über extrem kalte und extrem warme Lagen bemerkbar und gehen schneller um den Globus als noch vor 30 Jahren. Das ist dem Internet und dem weltweiten Informationsfluss geschuldet, denn wir bekommen einfach mehr davon mit. Vielleicht sind wir auch ein bisschen aufmerksamer geworden. Es wäre schön, wenn man sich grundsätzlich mehr um Wetterextreme kümmert. Denn irgendwann könnten sie auch auf uns zukommen. Daher müssen wir lernen, mit ihnen umzugehen.
Das heißt, dass solche Extreme auch in Bayern möglich sind?
Ja, das sind sie. Aber eine Kältewelle wie derzeit in den USA gehört nicht dazu. Denn die Alpen als massiver Bergrücken würden die Ausbreitung einer solchen Kälte verhindern. Mit welchen Auswirkungen wir in Mitteleuropa in Zukunft rechnen müssen, können die Forscher noch nicht genau voraussagen. Extreme Niederschläge und Hochwasserepisoden wie derzeit in Deutschland können aber dazugehören.
Interview: Magdalena Höcherl