Seit 1957 gibt es in Bayern Dorfhelferinnen. Warum der Beruf heute noch so wichtig ist wie damals, erklärt Hanni Hell, 62, aus Bruckmühl im Kreis Rosenheim. Sie ist Geschäftsführerin der Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer (KDBH).
Frau Hell, wie entstand der Beruf der Dorfhelferin?
Nach dem Krieg bemerkte Landjugend- und Landvolkpfarrer Dr. Emmeran Scharl, dass auf vielen Bauernhöfen und in Familien jemand fehlte, der mit anpackt. Daher gründete er die Dorfhelferinnen-Schule.
Wie hat sich der Beruf gewandelt?
Die Arbeit zu verwalten ist bürokratischer geworden. Die Frauen sind mit dem Auto unterwegs und haben geregelte Arbeitszeiten. Eine Vollzeitkraft arbeitet 40 Stunden die Woche, es gibt aber auch Teilzeitmodelle. Der Kern unserer Arbeit hat sich jedoch kaum verändert.
Und der wäre?
Wir sind nach wie vor da, wenn Familien in Notsituationen geraten. Das kann ein Krankheits- oder Todesfall sein, eine Schwangerschaft oder ein Kuraufenthalt. Die Dorfhelferinnen sorgen nicht nur auf Bauernhöfen, sondern auch in privaten Haushalten für ein geregeltes Familienleben. Der Alltag muss flutschen, wenn die haushaltsführende Person ausfällt. Das ist heute nicht mehr nur die Mutter, sondern auch mal der alleinerziehende Vater.
Was müssen angehende Dorfhelferinnen mitbringen?
Die wichtigste Eigenschaft ist Sozialkompetenz. Die Frauen müssen bereit sein, mit ganz unterschiedlichen Menschen zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Man muss flexibel sein und braucht eine stabile Persönlichkeit. Und die Frauen dürfen kein Problem mit der Schweigepflicht haben, denn sie ist unser oberstes Gebot.
Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?
Derzeit gibt es etwa 200 Dorfhelferinnen. Es ist zwar noch Luft nach oben, aber wir sind froh über diese Zahl. Obwohl die Ausbildung auch Männern offensteht, gibt es bislang keinen einzigen Dorfhelfer. Leider ist ein hauswirtschaftlicher Beruf im Vergleich zu anderen noch immer nicht sehr hoch angesehen. Ich bin allerdings überzeugt, dass Dorfhelferinnen in 60 Jahren immer noch existieren. Es gibt zwar weniger landwirtschaftliche Betriebe als früher, aber Familien auf dem Land werden weiter Unterstützung brauchen.
Interview: Magdalena Höcherl