Andreas „Anderl“ Ertl war früher selbst Athlet im Ski-Weltcup, erreichte seinen größten Erfolg bei der Ski-WM 2005 in Bormio, als er zusammen mit Schwester Martina, Florian Eckert, Hilde Gerg, Monika Bergmann und Felix Neureuther Weltmeister im Mannschaftswettbewerb wurde. Heute arbeitet der gebürtige Lenggrieser, der seit 15 Jahren in Schliersee lebt, als Cheftrainer Nachwuchs im Deutschen Skiverband.
Andreas Ertl, wird der Sieg von Thomas Dreßen in Kitzbühel den deutschen Ski-Nachwuchs motivieren?
Das mit Sicherheit. Alle haben sich extrem brutal gefreut, denn Kitzbühel hat eine Außenwirkung, die ist immens. Und es bringt den Abfahrtssport in ein richtig cooles, positives Licht. Durch die Ausstrahlung von Thomas ist das enorm viel wert. Wie die Auswirkungen dann tatsächlich sind, kann man erst später sagen. Im Moment finden das alle Nachwuchsathleten extrem cool.
Die Zahlen junger Abfahrer gehen ja extrem zurück. Warum?
Da kommt einiges zusammen. Die Angst der Eltern, die Gefährlichkeit der Abfahrt. Im Fernsehen werden immer spektakuläre Stürze gezeigt, das macht es nicht einfacher. Wir haben ein gutes Konzept, versuchen, die Leute nicht irgendwo reinzuschmeißen, sondern sie heranzuführen, richtig gut auszubilden. Sie werden auf die verschiedenen Level der Abfahrt intensiv vorbereitet.
Was kann der Deutsche Skiverband noch tun, um Dreßens Erfolg zu nutzen?
Außer dem Helden, den wir nun haben, sind ja auch noch Andreas Sander und Pepi Ferstl da. Wenn die Leistungen unseres Abfahrtsteams weiter so gut sind – das wäre überragend. In Kombination dazu wollen wir den Nachwuchs sinnvoll mit Weitblick heranführen – damit die Leute wieder ein gewisses Vertrauen in den Speed-Skisport finden.
Gibt’s denn Talente, die Ähnliches wie Dreßen schaffen können?
Wir versuchen, einige wenige junge Talente heranzuführen. Wir machen zum Beispiel Speed-Camps nach dem Weltcup der Damen kommende Woche in Garmisch-Partenkirchen. Wenn die ganzen Sicherheits-Vorrichtungen vom Weltcup stehen, machen wir Etappentraining, in dem die Jungen langsam herangeführt werden. Diese Gelegenheit nach dem Weltcup müssen wir ausnutzen. Das haben wir in den letzten Jahren angefangen und werden es auch fortsetzen.
Interview: Jörg Köhle