Interview

„Photoshop kann den Job kosten“

von Redaktion

Bildbeareitung: In der Kunst gelten andere Regeln als bei Agenturen

Jens Kriese, 49, aus Hamburg arbeitet als Bildforensiker. Er prüft digitale Bilder auf ihre Echtheit.

-Herr Kriese, sind Sie ein Foto-Detektiv?

In gewisser Weise, denn ich betreibe Ursachenforschung. Ich finde im Auftrag von Firmen und Privatpersonen heraus, von welchem Gerät digitale Bilder stammen und ob sie in irgendeiner Weise bearbeitet oder manipuliert sind. Viele Arbeitsschritte erfolgen aber automatisch am Computer und sind rein wissenschaftlich. So gesehen ist es doch weniger detektivisch, aber trotzdem spannend.

-Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit als Bildforensiker vor?

Ich schaue verschiedene Details genauer an. Um manipulierte Fotocollagen als solche zu entlarven, spielt zum Beispiel das Bildrauschen eine wichtige Rolle. Bilder von Digitalkameras sind oft etwas krisselig, gerade bei dunkleren Motiven. Bei Collagen stimmt die Intensität des Rauschens im einen Teil des Fotos oft nicht mit der in dem anderen Teil überein. Diese Ungleichheit zeigt, dass das Bild bearbeitet ist.

-Denken Sie da an konkrete Beispiele?

Ich habe ein Bild von Unruhen in den USA vor Augen, wo schwarze Amerikaner gegen Polizeigewalt auf die Straße gingen. Da tauchten gefälschte Bilder auf, um Personen zu diskreditierten. Die Bilder waren augenscheinlich unauffällig, aber Forensiker entlarvten die gefälschten Gesichter. Ein anderes Beispiel ist das Foto von einem indischen Politiker, der aus dem Fenster schaut, während er über ein Überschwemmungsgebiet fliegt. Um die Hochwasserlage zu dramatisieren, fügte der Fotograf eine spektakulärere Szene in das Fenster ein.

-Ab wann gilt ein Bild als gefälscht?

Das ist Definitionssache. Bildagenturen lehnen das Bearbeitungsprogramm Photoshop meist ab, weil es den dokumentarischen Charakter verfälscht. Da kann es den Job kosten, die Fußspitze eines anderen Fotografen wegzuretuschieren. In der Kunst ist das nicht so streng. Aber dort gelten gephotoshopte Bilder oft als billig.

-Warum ist Ihre Arbeit so wichtig?

Gerade für Menschen, die historisch sensibilisiert sind – Stichwort Propaganda – ist die Authentizität eines Fotos enorm wichtig. Grundsätzlich gilt das auch für den redaktionellen Bereich, im Lifestyle und in der Kunst dagegen eher weniger. Das aktuelle „Vanity Fair“-Cover ist zum Beispiel eher lustig als ein Aufreger.

Interview: Magdalena Höcherl

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