5 Fragen aN

„Wer Gullyratte sagt, muss sich nicht wundern“

von Redaktion

Günter Gerhard (69) war von 1990 bis 2002 der CSU-Bürgermeister von Feldafing, der Nachbargemeinde von Bernried. 1997 lehnten die Feldafinger per Bürgerentscheid ab, dass das Buchheim Museum bei ihnen gebaut wird.

An was denken Sie, wenn Sie an Lothar-Günther Buchheim denken?

Der Herr Buchheim war stark im Austeilen und weniger stark im Einstecken. Er hat einen Gutteil seines Lebens damit verbracht, andere zu beschimpfen. Das war auch der Grund, warum er hier in Feldafing so grandios gescheitert ist mit seinem Museum. Wer eine Woche vor der Abstimmung seine Gegner als „Gullyratten“ bezeichnet, der muss sich über nichts wundern.

Hätten Sie das Museum damals gerne gehabt?

Buchheim hat 1990 mit allen, auch sehr unschönen Mitteln versucht, meine Wahl zum Bürgermeister zu verhindern. Dennoch war ich später für das Projekt – trotz Buchheim. Das hat mir viel Unverständnis eingebracht. Aber sein Museumskonzept war genial, das kann man heute in Bernried sehen.

Sind Sie oft dort?

Ich war in den letzten Jahren immer wieder in Ausstellungen – danach fahre ich jedes Mal mit einem äußerst gespaltenen Gefühl heim. Weil ich mir denke: Es wäre doch toll, wenn das Museum heute in Feldafing stünde. Nicht, dass ich es den Bernriedern missgönne, ich bin ja froh, dass es nicht in Japan oder Schweden steht. Aber das Museum würde Feldafing auch heute noch gut zu Gesicht stehen.

Haben Sie irgendeine sanfte Seite an Buchheim entdeckt?

Der Herr Buchheim hat über 50 Jahre in Feldafing gelebt, und er hat nichts unterlassen, um die Zahl seiner Gegner zu erhöhen. Wenn man ihn andererseits erlebt hat, wie er über Kunst geredet hat, dann hatte man das Gefühl: Man hat es mit zwei verschiedenen Menschen zu tun. Voller Begeisterung hat er seine Bilder erklärt, ich habe es selber erlebt, es war toll. Aber dann war der Vortrag vorbei – und Herr Buchheim wieder der Alte.

Am Samstag öffnet die neue Ausstellung – exklusiv nur für Bernrieder und Feldafinger. Eine Versöhnungsgeste?

Da habe ich meine Zweifel, ob das der Herr Buchheim auch so gemacht hätte. Aber die Idee ist gut. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch heute noch zwischen dem toten Herrn Buchheim und vielen Feldafinger Bürgern Animositäten gibt.

Interview: Stefan Sessler

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