Osterhofen – Am besten ziehen dann doch die alten Sprüche. Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen steht seit 20 Minuten auf der Bühne, seine Rede plätschert so dahin, da baut er diesen einen Satz ein. Ein Spruch, den die AfD beinahe schon bis zum Exzess ausgelutscht hat, der aber ein Garant ist für Stimmung im Protest-Milieu. „Merkel muss weg.“ Schon springen die gut 1000 Besucher auf, klatschen und skandieren, erweitern Meuthens Forderung sogar. „Merkel muss weg, und dazu die Roten, und dazu die Grünen.“ Ja, die AfD lässt keinen Zweifel an diesem Aschermittwoch, wen sie für politisch fähig hält in Deutschland: sich selbst. Nur sich selbst.
Nun ist eine Selbstwahrnehmung oftmals trügerisch, deshalb lädt die Partei zur Absicherung gern auch einen Vertreter von außerhalb ein. Voriges Jahr war FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache da und redete der AfD gut zu. Aber weil Strache inzwischen Vize-Kanzler in Österreich ist und nebenbei gerade mit einer Lügen-Kampagne gegen ORF-Moderator Armin Wolf beschäftigt ist, kommt diesmal FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. In Österreich wird er in der rechtspopulistischen Szene „Angreifer auf das System“ genannt – in seiner Rede mimt er dann aber eher den Ratgeber als den Angreifer. Vilimsky bleibt ungiftig („ich habe nicht die Zeit gefunden, mir die Witze zurechtzulegen“), spricht von Gemeinsamkeiten in der Europapolitik. Und dass die AfD von der FPÖ viel lernen könne: In Österreich habe seine Partei eine Wende in der Asylpolitik erzwungen, in Deutschland könne dies der AfD gelingen. „Die Zukunft gehört uns, wenn wir uns selbst treu bleiben.“
Die Redner aus Deutschland bleiben dem bekannten AfD-Stil treu: Sie werben für sich, indem sie ausschließlich Verfehlungen anderer aufzählen. Der Landesvorsitzende Martin Sichert ist inhaltlich rechts unterwegs. Er spricht zum Beispiel vom „Rassismus gegen die eigene Bevölkerung“. „Asylbewerber, die nicht einen Finger krumm gemacht haben, werden besser behandelt als die Einheimischen.“ Eine weitere These: Der Flächenfraß in Bayern könne gestoppt werden, indem weniger Windräder und Photovoltaikanlagen für die Stromgewinnung gebaut werden. „Aus dem Naturverschandelungswettbewerb müssen wir aussteigen.“
Vize-Landeschefin Katrin Ebner-Steiner diagnostiziert den Niedergang der CSU – nach Merkel, Islam und „ Asylwahnsinn“ derzeit Lieblingsthema. Markus Söder wisse sich nicht mehr anders zu helfen, als die AfD auch noch „für die Hungersnot in Afrika“ verantwortlich zu machen. Dabei sei die CSU doch eine „regionale kleine Voralpenpartei“, sagt Ebner-Steiner. „Wer sein Volk links liegen lässt, braucht sich nicht wundern, wenn es rechts abbiegt.“ Nach der Landtagswahl gebe es „auf die Fresse“. Bei diesem Spruch bedient sie sich bei Andrea Nahles und der SPD – langfristiges Vorbild sollen die Sozialdemokraten aber nicht werden. Das Ziel stattdessen: Die SPD überholen und zweitstärkste Kraft werden. Sebastian Dorn