Nachruf

Ein Kapitän ohne Allüren

von Redaktion

Trauer um den Schauspieler Siegfried Rauch, der am Sonntagabend 85-jährig an Herzversagen starb

Von Rudolf Ogiermann

Söchering – In seiner wohl größten Rolle als „Traumschiff“-Kapitän war er die Verkörperung des Weitgereisten, ein Mensch, der – bei aller Drehroutine – noch immer staunen konnte über die Wunder der Natur in aller Welt, von Botswana bis Bora Bora. Und trotzdem – oder gerade deswegen – war da die unerschütterliche Liebe zu seiner oberbayerischen Heimat. „Wann immer ich lange in heißen Ländern war, ist mir bewusst geworden: So schön es ist, aber leben will ich dort nicht“, sagte er unserer Zeitung einmal im Interview. Wo er so gerne gelebt hat, in Söchering im Landkreis Weilheim-Schongau, ist Siegfried Rauch nun auch gestorben. In wenigen Tagen hätte der Schauspieler seinen 86. Geburtstag gefeiert.

Die tragischen Umstände seines Todes sagen viel über das Selbstverständnis eines Mannes aus, der trotz seiner Prominenz keine Allüren kannte, der sich in seinem Bauernhaus, das er mit seiner Frau Karin seit 1973 bewohnte, nicht abschottete, sondern gerne unter die Leute ging. Wie Söcherings Bürgermeister Reinald Huber unserer Zeitung am Montag sagte, saß Rauch am Sonntagabend wie so oft auf einen Ratsch mit Feuerwehrlern zusammen, im Schulungsraum des Gerätehauses, das direkt neben seinem Anwesen liegt. Auf dem Heimweg passierte es dann. Der 85-Jährige sackte zusammen und fiel eine Treppe hinab. Laut Obduktion ist Herzversagen die Todesursache, nicht der Treppensturz, wie sein Manager Michael Jodl gestern Abend mitteilte.

Bis zuletzt stand der Schauspieler vor der Kamera, sorgte für Kontinuität als Arzt im Ruhestand im „Bergdoktor“, an der Seite von Hans Sigl, wagte aber auch Neues in der Sat.1-Comedyserie „Knallerkerle“. „Ein Vorbild in jeder Hinsicht“, rühmte Kollege Sigl anlässlich von Rauchs 85. Geburtstag: „Mit Demut steht man vor seiner Lebensleistung.“

Dabei steuerte Rauch, der aus Landsberg am Lech stammt, diesen Beruf nicht auf direktem Weg an. Er begann in München zunächst ein Architekturstudium, bevor er zur Theaterwissenschaft wechselte und schließlich eine Schauspielausbildung begann. Schon mit 23 Jahren hatte er sein Filmdebüt, im Heimatfilm „Die Geierwally“ neben Barbara Rütting. Trotzdem stand er erst einmal auf der Bühne, unter anderem in München, Berlin und Hamburg, bevor er sich in Film und Fernsehen einen Namen zu machen begann.

Den internationalen Durchbruch schaffte Rauch im Jahr 1971 als Rennfahrer an der Seite von Steve McQueen in dem Film „Le Mans“. Die Rolle des stahlharten, wortkargen Abenteurers schien ihm auf den Leib geschrieben, was ihn nicht davon abhielt, mit McQueen eine Freundschaft fürs Leben einzugehen. Rauch, der selbst stets geerdet blieb, schätzte auch an den Hollywoodstars, mit denen er in insgesamt sechs Filmen zusammenarbeitete, deren Normalität: „Die machen kein Gedöns um sich, obwohl sie sehr gut spielen.“

Rauch wählte seine Rollen mit Bedacht, für die Agentenserie „Es muss nicht immer Kaviar sein“ nach dem Roman von Johannes Mario Simmel (1977) korrigierte er sein Image, spielte perfekt den Lebemann und Hobbykoch, der nach jeder Folge seinen Zuschauern ein Rezept präsentierte. Doch seine Paradefiguren waren die sympathischen Patriarchen („Die glückliche Familie“), die charismatischen Firmenchefs („Irgendwie und Sowieso“) und die Naturburschen („Wildbach“).

Zur Krönung für den nicht mehr ganz jungen Siegfried Rauch sollte ab 1999 die Rolle des „Traumschiff“-Kapitäns Jakob Paulsen werden, eine Rolle, in der er voll und ganz aufging. In dieser Position „ist man alles – Vater und Chef, Witwentröster und Entertainer“, verriet er im Interview. Ohne Wehmut ging er nach 14 Jahren von Bord der „MS Deutschland“, er wusste sich ja geborgen in seiner Familie, in seinem geliebten Oberbayern.

Auch abseits der Schauspielerei war der passionierte Pfeifenraucher aktiv, zum Beispiel als Sänger, so veröffentlichte er noch 2015 ein Album mit Liebesliedern. Außerdem tourte er mit dem Programm „Bergweihnacht“, in dem er, begleitet von der Musikerfamilie Servi aus Eching (Landkreis Freising), Weihnachtsgeschichten vortrug.

Fast alle seine Träume hätten sich erfüllt, zog Rauch anlässlich seines Geburtstags vor knapp einem Jahr Bilanz. Er würde gerne noch weitermachen, doch dem zunehmenden Alter müsse man sich fügen. Da konnte er nicht ahnen, dass sein Leben so schnell und auf so dramatische Weise enden würde.

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