4 Fragen aN

„Ein Boykott ist der falsche Weg“

von Redaktion

Rainer Koch aus Poing im Kreis Ebersberg ist Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands und Mitglied der FIFA-Governance-Kommission.

Können westliche Länder bedenkenlos an der Fußball-WM im Sommer in Russland teilnehmen?

Stand heute bin ich – auch auf der Grundlage meiner persönlichen Erfahrungen beim Confederations Cup im vergangenen Sommer – fest davon überzeugt, dass Russland alle Gäste freundlich empfangen und für Sicherheit überall im Land sorgen wird, diesbezügliche Sorgen deshalb nicht angebracht sind.

Es mehren sich Stimmen, die für einen Boykott plädieren, nicht nur in England. Was sagt der DFB?

Der Deutsche Fußball-Bund setzt im Sport auf Dialog. Einen Boykott von Sportveranstaltungen halte ich für den falschen Weg. Der Sport hilft, Brücken zwischen den Menschen zu schlagen und miteinander ins Gespräch zu kommen oder im Gespräch zu bleiben. Ein Boykott, das haben die Olympischen Spiele 1980 in Moskau gezeigt, ändert nichts an politischen Missständen. Ganz im Gegenteil! Gerade in der jetzigen Zeit muss man in der Lage sein, alle Dinge offen ansprechen zu können. Und klar ist auch, dass wir als DFB für Werte stehen, die wir auch nach außen vertreten. Ein Sportereignis für politische Zwecke zu nutzen und Teilnehmer zu instrumentalisieren – das entspräche nicht diesen Werten.

Insgesamt 42 Nationen hatten 1980 in Moskau die Olympischen Sommerspiele boykottiert. Halten Sie es für denkbar, in der heutigen Zeit eine so große internationale Solidarität herzustellen?

Wir sehen gerade in einer ganz aktuellen Umfrage, dass sich die große Mehrheit der Menschen hierzulande auf die WM in Russland freut und gegen einen Boykott ist. Sport verbindet, das sollte auch jetzt unser Ansatz sein. Solidarität lässt sich anders viel besser demonstrieren – zum Beispiel im gemeinsamen Eintreten für Menschenrechte, Frieden und Dialog.

In Sotschi war kaum die olympische Flamme erloschen, da marschierten russische Truppen auf der Krim ein. Wäre es nicht an der Zeit, dass westliche Länder ein Zeichen setzen?

Wäre dem Sport damit gedient? Was hätte ein Fernbleiben zur Folge? Der Fußball besitzt enorme Strahlkraft, aber er bestimmt die weltpolitische Großwetterlage nicht und löst auch keine Dinge, die die Mächtigen dieser Erde nicht gelöst bekommen.

Interview: Uli Kellner

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