Nicht nur Pizza begeistert die Bayern seit Jahrzehnten. Auch zum Kroaten gehen sie gern. Zdravko Katic, 49, kam vor 27 Jahren aus Bosnien-Herzegowina nach Deutschland. Seit 2005 betreibt er das Restaurant „Croatica“ in München.
Herr Katic, was essen Ihre Gäste am liebsten?
Das ist unterschiedlich. Viele bestellen Fisch, aber auch traditionelle Grillgerichte wie Cevapcici sind beliebt.
Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Anfang der 90er-Jahre habe ich meine Heimat verlassen, ein kleines Dorf in der Nähe der Hauptstadt Sarajevo. Ich bin hierher gekommen, um mir eine sichere Existenz aufzubauen. Ich habe in der Gastronomie gearbeitet. Im Sommer war das gut, weil viele Touristen auf den Balkan kommen. Aber im Winter gab es keine Arbeit. Das war immer sehr unsicher.
Wollten Sie schon von Anfang an ein kroatisches Restaurant hier führen?
Nein, aber ich habe schon immer in der Gastronomie gearbeitet. Das ist meine Leidenschaft. Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich zuerst in Berlin gelebt und auch wieder gekellnert. Vor 20 Jahren habe ich dort meine Frau kennen gelernt. Vor 17 Jahren bin ich mit ihr und unseren beiden Kindern nach München gezogen. In Trudering haben wir vor zwölf Jahren das Lokal „Croatica“ übernommen. Das gibt es schon seit 50 Jahren, immer kroatisch geführt. Am Anfang war es harte Arbeit, weil wir viel renoviert haben und unseren eigenen Laden daraus machen wollten. Das ist uns gut gelungen.
War es schwer für Sie, sich einzuleben?
Nein, denn egal, wo ich hingekommen bin, waren die Leute immer sehr freundlich zu mir. Ich hatte noch nie Probleme, denn die Deutschen sind ein nettes Volk. Sie sind treu und sehr dankbar. Wenn man freundlich ist, kommen sie immer wieder. Deutsche haben auch als Touristen auf dem Balkan einen sehr guten Ruf. Alle sagen: „Wenn Deutsche kommen, braucht man sich nicht zu sorgen.“
Welches Land ist heute Ihre Heimat?
Hier ist meine Heimat, denn hier fühle ich mich wohl. Meine Freunde sind hier, mein Leben spielt sich hier ab. Deutschland ist ein ordentliches Land, alles läuft geregelt. Das gefällt mir. Im Urlaub fahre ich noch oft zu Verwandten nach Bosnien-Herzegowina. Ich besuche sie gern, aber dort leben möchte ich nicht mehr.
Interview: Magdalena Höcherl