6 Fragen aN

von Redaktion

Hans-Peter Eiden (67) ist erster Vorsitzender beim Netzwerk Embryonenspende. Unter dieser Spende versteht man, dass ein Paar einem anderen seine befruchtete Eizelle schenkt. Ein Interview über juristische Hürden – und Eidens „Herzblut-Projekt“.

Sie wurden heute freigesprochen. Wie geht es jetzt weiter?

Das Netzwerk wird sich weiter dafür einsetzen, Leben zu schenken. Ich bin erleichtert über das Urteil – gleichwohl gehe ich davon aus, dass die Staatsanwaltschaft Revision einlegt.

Eine Revision hat der Richter ja selbst angeregt.

Es muss final geklärt werden, ob künftig sogenannte imprägnierte Eizellen genauso gespendet werden dürfen wie Embryonen.

Was heißt das konkret?

Kurz zur Erklärung: Bei einer Kinderwunsch-Behandlung entstehen, neben Embryonen, auch imprägnierte Eizellen: also Eizellen, die mit dem männlichen Samen befruchtet wurden, sich aber – noch – nicht zu einem Embryo entwickelt haben. Ist die Familienplanung der Kinderwunsch-Paare abgeschlossen, kommt es vor, dass solche Eizellen übrig bleiben. Die Paare können sie dann vernichten lassen – oder spenden. Und zwar an andere kinderlose Paare, die sonst keine Chance mehr auf Nachwuchs haben.

Noch ist nicht eindeutig geklärt, ob das Spenden solcher Eizellen legal ist. Wie sehen Sie das?

Ich bin ein entschiedener Gegner des Vernichtungsgebots! Um es ganz klar zu sagen: Wenn es zu einem Spendenverbot dieser Eizellen kommt, dann landet menschliches Leben im Müll.

Warum bekommen Sie so viel Gegenwind?

Was unser Netzwerk macht, gilt immer noch als Tabu: Es ist relativ neu, es schürt Ängste. Dabei geht es eigentlich nur um eines – nämlich um Kinder, die eine Chance bekommen sollen, leben zu dürfen. Ohne dabei später etikettiert zu werden.

Wieso etikettiert?

Diese Kinder gelten für viele als Exoten. Das sind sie aber nicht! Es sind normale Kinder, die sich genetisch von ihren Eltern unterscheiden – das ist bei Adoptionen nicht anders. Wenn sie alt genug sind, werden sie über ihre Herkunft aufgeklärt. Das Netzwerk ist letztlich ein Vermittler zwischen Paaren, die dasselbe wollen: dass ein kleiner Mensch das Licht der Welt erblickt. Und was gibt es Schützenswerteres als ein Leben?

Interview: Barbara Nazarewska

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