Franz Maget, einst Bayerns wichtigster SPD-Politiker, war über zwei Jahre lang als Diplomat in Tunis und Kairo. Seit Mitte März ist er zurück in München.
Sieht man viele junge Menschen ohne Arbeit auf den Straßen?
Es gibt viele junge Leute, die man im Straßenbild wahrnimmt und die ohne Arbeit sind. Leider trifft die Arbeitslosigkeit auch viele mit Hochschulabschluss. Mit Mitte 30 wohnen viele noch bei den Eltern, können keine Familie gründen. Diese Perspektivlosigkeit sorgt für Frust.
Und wer Arbeit hat, verdient schlecht?
Tunesien ist ein Billiglohnland. In der Industrie sind Monatsgehälter von unter 300 Euro normal. Es gibt deutsche Unternehmen, die genau deswegen in Tunesien produzieren.
Studien besagen, der Gedanke an Flucht sei Teil der Jugendkultur.
Das ist wahrscheinlich so. Es kommt hinzu, dass Deutsch-Tunesier auf Urlaub nach Tunesien kommen und so tun, als ob sie schon Millionäre wären. Mit dicken Autos, die vermutlich auf Pump gekauft wurden. Das verstärkt die Vorstellung, man muss nur den Sprung nach Europa schaffen.
Steuert Tunesien gegen?
Tunesien versteht sich selbst nicht als Auswanderungsland und sichert die Grenzen relativ gut ab. Versuche, das Land auf Booten zu verlassen, werden unterbunden und illegale Migration ist auch strafbar.
Interview: Aglaja Adam