Saudi-Arabien und Israel sind tief verfeindet und formal betrachtet sogar im Kriegszustand. Umso erstaunlicher nun die Charme-Offensive des saudischen Kronprinzen bin Salman. Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bijan Djir-Sarai (41), sieht darin Anzeichen für ein politisches Tauwetter im Nahen Osten. Djir-Sarai wurde in Teheran (Iran) geboren. Er studierte in Köln Betriebswirtschaftslehre.
Hat Sie das Bekenntnis des saudischen Kronprinzen zur Existenz Israels überrascht?
Das kam schon überraschend. Aber wenn man sich die jüngste Entwicklung im Nahen Osten ansieht, dann liegt in dem Vorstoß auch eine gewisse Logik. Seit der Wahl von US-Präsident Trump erleben wir einen schleichenden Rückzug der US-Diplomatie aus dem Nahen und Mittleren Osten. Jüngstes Beispiel ist Trumps Ansage, um Syrien mögen sich andere kümmern, aber nicht die Amerikaner. Vor diesem Hintergrund treten die gemeinsamen Interessen der Saudis und Israels stärker zutage.
Was sind das für Interessen?
Beide Länder haben einen gemeinsamen Freund, nämlich die USA, und einen gemeinsamen Feind, den Iran. Wenn die USA sich aus der Region zurückziehen, dann ist das für beide Länder gefährlich. Deshalb gibt es hinter den Kulissen auch schon Kontakte zwischen den Saudis und Israel. Zum Beispiel im geheimdienstlichen Bereich.
Warum wäre ein stärkerer Einfluss des Iran im Nahen Osten problematisch?
Die religiösen Hardliner im Iran haben mehr Macht als die dortige Regierung. Und sie sind sehr ideologisch. Sie wollen nach wie vor einen Revolutionsexport in die Nachbarländer. Deshalb gibt es zwischen dem Iran und Saudi-Arabien auch einen Wettbewerb um die Vormachtstellung in der Region. Der Iran hat stark an Einfluss im Irak, in Syrien und auch in Afghanistan gewonnen. Das sehen auch die Saudis als Bedrohung für sich.
Könnte eine Achse Saudi-Arabien–Israel tatsächlich Positives im Nahen Osten bewirken?
Wenn sie nur eine militärische Achse wäre, sicher nicht. Wenn es aber eine diplomatische Offensive für Entspannung und Frieden geben würde, dann wäre ein politisches Tauwetter im Nahen Osten bei allen Problemen durchaus realistisch. Das könnte auf Syrien und andere Spannungsgebiete ausstrahlen und den Iran komplett isolieren.
Interview: Stefan Vetter