6 Fragen aN

von Redaktion

Wolfgang Herrmann, 70, ist Präsident der Technischen Universität München. Die Uni bekommt eine neue Raumfahrt-Fakultät in Ottobrunn.

Herr Herrmann, Sie feiern gerade Ihren Siebzigsten. Freuen Sie sich über Markus Söders Geschenk?

Ich habe gerade erst davon erfahren, als ich den Zettel mit der Regierungserklärung bekomme habe. Die beherrschen Vertraulichkeit richtig gut. Zunächst einmal: Ich bin überrascht und hocherfreut. Aber eine neue Fakultät ist ja kein individuelles Geschenk. Es geht darum, dass wir uns im immer härteren internationalen Wettbewerb behaupten können.

Ist das Programm „Bavaria One“ die bayerische Nasa?

Es wird allemal das prominenteste Raumfahrtprogramm auf deutschem Boden und im europäischen Kontext sehr ernst genommen werden. Mit Toulouse haben wir bereits eine Achse, die wir nun weiter stärken. Im Fokus stehen nicht nur klassische Technologien, sondern Dinge wie Flugtaxis, Drohnen, das fliegende Auto und die superschnelle Fortbewegung mit dem Hyperloop.

Also die ferne Zukunft?

Wir wissen nicht, wann wir in einer Kapsel sitzen werden, die 1000 Stundenkilometer schnell ist. Aber es ist unsere Pflicht, mutige Fragen jetzt aufzugreifen. Vor 150 Jahren hat ein Bierbrauer Karl Linde gefragt, ob er nicht künstliche Kälte machen kann. Das war völlig irre – aber dann hat Linde den Kühlschrank erfunden. Gerade bei der Digitalisierung müssen wir mit Visionen vorn dabei sein.

Hinkt Bayern bei Visionen momentan hinterher?

Nachholbedarf gibt es immer, weil jeden Tag neue technologische Ideen entstehen. Aufgrund unserer Ingenieurskünste ist Bayern jedenfalls der richtige Standort.

Was planen Sie am Campus in Ottobrunn?

Anders als in Garching haben wir dort noch Platz für Experimentier- und Montagehallen. Die Einzelheiten müssen wir ausarbeiten – ich gehe von etwa 30 Professuren aus. Davon kostet eine im Schnitt mit Ausstattung um die eine Million Euro pro Jahr. Es gibt aber viele Fördertöpfe. Dazu kommen vielleicht einmalig 100 Millionen für Gebäude. Die Fakultät bauen wir über fünf Jahre auf – die Berufung von Spitzenkräften klingt leichter, als sie ist.

Was wird aus dem Luft- und Raumfahrtzentrum Oberpfaffenhofen?

Der Standort ist bärenstark, da wird es engste Zusammenarbeit geben. Wir bauen die konstruktive Wechselwirkung der Metropolregion aus.

Interview: Sebastian Dorn

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