München – Es sind ganz neue Zahlen, an die sich Pendler demnächst gewöhnen müssen. Wolfratshausen liegt bald schon in Zone 3, Herrsching in Zone 4, Markt Schwaben in Zone 2, Wasserburg in Zone 6, Heimstetten, Dachau und Garching in Zone 1, Garching-Forschungszentrum allerdings in Zone 2. Willkommen im neuen MVV-Zeitalter!
Die große MVV-Reform ist nicht die erste und wird bestimmt nicht die letzte sein: Bis zum Jahr 2000 bestand das MVV-Gebiet aus 141 Zonen. Der Umbau in vier Zonen mit 16 Ringen galt damals „als Errungenschaft“, erinnert sich Hermann Seifert, Nahverkehrsbeauftragter im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Verkehrte Welt: Heute schimpft fast jeder, wie kompliziert das aktuelle System doch sei. Deswegen gibt es nun eine weitere Reform: die Schaffung einer M-Zone mit sechs Zonen außenrum. Dabei mussten die Verkehrsplaner folgende Regel beachten: Je einfacher ein MVV-Tarif ist, desto ungerechter ist er für viele Nutzer auch. Und je feingliedriger (und komplizierter), desto gerechter. Neu ist die M-Zone, die die bisherigen Innenraum-Ringe 1 bis 4 ersetzt. Jeder Münchner soll in der Stadt zum gleichen Preis hin- und herfahren. Wie viel eine M-Monatskarte kosten wird, ist nun die große Frage – und Streitfall Nummer 1.
Klar ist: Wer bisher mit den Ringen 1 bis 2 auskam – sie reichen vom S-Bahnhof Laim bis Berg am Laim und vom U-Bahnhof Olympiazentrum bis zum Mangfallplatz –, für den wird die M-Zone künftig etwas teurer. Wer alle vier Ringe hatte, für den wird es billiger. Vor der alles entscheidenden Gesellschafterversammlung am 9. Mai kursieren verschiedene Preismodelle. Beim MVV geht man davon aus, dass der Endpreis für die Monatskarte bei etwas über 60 Euro liegen könnte. Zum Vergleich: Die Monatskarte mit vier Ringen ist bisher teurer: 79,10 Euro.
Da könnten Jubelstürme einsetzen, aber Achtung: Bevor die MVV-Reform vermutlich Mitte oder Ende 2019 in Kraft tritt, wird es noch eine generelle Tariferhöhung geben. Wie jedes Jahr dürfen auch zum Jahreswechsel 2018 die Preise um zwei bis drei Prozent steigen.
Die alles fixierende Preistabelle gibt es noch nicht, vielmehr sind momentan verschiedene Modelle auf dem Markt. Die SPD möchte den Preis für ein Monatsticket der M-Zone auf unter 60 Euro drücken und auch bei den Abopreisen noch nachlassen. „Darüber verhandeln wir“, sagt die Münchner SPD-Stadträtin Simone Burger. Auch die Streifenkarte wird neu durchgerechnet. Sie soll im Verhältnis billiger werden – mit einem Durchschnitts-Rabatt von 12,5 Prozent im Vergleich zu Einzelfahrscheinen. Die SPD will damit Gelegenheitsfahrer animieren, öfter in die S-Bahn zu steigen.
Die Streifenkarte soll aber im Grundsatz so bleiben, wie sie ist, also mit 10 Streifen (derzeit zum Preis von 14 Euro). Wer zukünftig in der M-Zone fährt, zahlt grundsätzlich zwei Streifen, so die Vorstellung. Ansonsten kostet der Wechsel von einer Zone zur anderen künftig nicht mehr zwei, sondern nur noch einen Streifen. Beispiel: Wer künftig von Kirchseeon zum Marienplatz fahren will, der stempelt nach dem neuen Modell vier Streifen, so viele wie bisher. Wer aber von Vaterstetten in die Münchner Innenstadt will, der stempelt künftig nur noch drei Streifen, einen weniger als bisher.
Auch die Münchner selbst haben noch einen weiteren Vorteil. Eine ganze Reihe kleinerer Orte, die bisher im Ring 5 liegen, werden nun Teil der M-Zone. Sie sind somit künftig per S-Bahn oder Bus günstiger zu erreichen – beispielsweise Aschheim, Deisenhofen, Furth, Stockdorf und Krailling sowie Keferloh.
Auch MVV-Nutzer in den Landkreisen müssen sich auf Neuerungen einstellen – meist zu ihrem Vorteil, wie Hermann Seifert meint. Er erläutert das für die S4-Linie im Westen, wo Fürstenfeldbruck als Kreisstadt jetzt herausragenden Stellenwert bekommt. Fahrten nach FFB, so die Idee, sollen günstiger werden. Daher dürfte eine Fahrt von Graf-rath nach Fürstenfeldbruck preiswerter werden. Bisher lagen die Orte tariftechnisch gesehen zwei Zonen und drei Ringe voneinander entfernt, jetzt nur noch eine Zone.
Auch die Fahrt von Puchheim und Eichenau nach Pasing, etwa in die Arcaden zum Shoppen, wird günstiger. Beide Orte liegen derzeit drei beziehungsweise zwei Ringe von Pasing entfernt. Künftig sind sie in einer sogenannten Überlappungszone zusammengefasst und von Pasing nur noch eine Zone entfernt.
Der Flughafen München liegt zukünftig in der vergleichsweise teuren Zone 5 – als einziger S-Bahn-Halt im ganzen Netz. Flughafen-Pendler werden auch weiterhin relativ teure Tarife bezahlen müssen.
Noch sind das Pläne, wenn auch ziemlich konkrete, aber das letzte Urteil ist noch nicht gefallen. Am 9. Mai entscheidet die Gesellschafterversammlung, das sind im Wesentlichen Freistaat, Stadt und Landkreise (nicht aber die Bahn). Danach muss das Tarifwerk noch vom Münchner Stadtrat und den Kreistagen der acht Landkreise genehmigt werden.
Aber eines gilt auch hier: Nach der geplanten MVV-Reform ist jetzt schon vor der nächsten Reform: „Aus unserer Sicht wäre der Entfernungstarif das Gerechteste“, sagt Seifert vom Landratsamt Fürstenfeldbruck. Dann würde jeder Fahrgast kilometergenau die Strecke zahlen, die er tatsächlich fährt. Auch der MVV will das ausprobieren, aber vorerst nur in einem Pilotversuch: Einige Dutzend Kunden werden ab 2019 mit E-Tickets ausgestattet, um den Entfernungstarif auszuprobieren.