Pfarrer Peter Lederer aus Freising ist für die Kruzifix-Offensive. „Ich begrüße es, wenn Kreuze in öffentlichen Einrichtungen aufgehängt werden.“ Dennoch hätte er sich Hintergrund zu dem „Warum“ des Beschlusses gewünscht. Wer hat ihn in die Wege geleitet? Gab es Anfragen oder Zuschriften von Bürgern? Ähnlich sieht das auch der Garmischer Pfarrer Josef Konitzer: „Ich finde es gut, dass man Symbole nach außen stellt, aber man muss sie auch deuten können.“ Für ihn ist das Kreuz ein Mahnmal, das sagt „vergebt einander, verzeiht einander“, und ein Symbol der Nächstenliebe. Ob Söder aus diesen Gründen gehandelt hat oder ob es ein wahltaktischer Vorstoß war, kann der katholische Pfarrer „schlecht einschätzen“.
Problematisch sieht Pfarrer Josef Riedl aus Ebersberg vor allem die Aussage Söders, dass das Kreuz kein Zeichen der Religion sei – er kann seine Argumentation aber nachvollziehen. „Der Staat hat sich religionsneutral zu verhalten.“ Kritisch blickt auch Pfarrer Josef Mayer, geistlicher Direktor der katholischen Landvolkshochschule Petersberg im Kreis Dachau, auf den Vorstoß. „Ich habe Bauchweh, wenn ich höre, dass das Kreuz ein Zeichen der bayerischen Identität ist.“ Das sei der falsche Ansatz. „Man muss sich bewusst machen, dass es das Zeichen der Liebe ist.“ Deshalb fragt sich Pfarrer Mayer: „Geht es hier um den christlichen Glauben oder um etwas ganz anderes?“ Tamara Scheid