Fragen zum Eishockey

von Redaktion

WM im Olympiajahr – spinnen die?

Das wird das Eishockey oft gefragt. Aber anders kann sich der Dachverband, die International Ice Hockey Federation (IIHF), nicht finanzieren. Er lebt vom Verkauf der Übertragungsrechte an die Schweizer Infront (mittlerweile zur chinesischen Wanda Group gehörig), die ein jährliches WM-Turnier fordert, mit der sie über eine Milliarde Fernsehzuschauer erreicht. Aus den Vermarktungserlösen finanziert die IIHF WM-Turniere bis in die Klasse E hinunter (die fand soeben in Kapstadt, Südafrika statt), Nachwuchs- und Frauenausbildung in über fünfzig Ländern.

2018 eindeutig ja. Erstmals seit zwanzig Jahren hatte die National Hockey League (NHL) in Nordamerika ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen verweigert; Südkorea als Markt erschien ihr nicht interessant genug, um den eigenen lukrativen Spielbetrieb für zwei Wochen zu unterbrechen. Damit standen über tausend Profis nicht zur Auswahl für Olympia – wovon vor allem Kanadier (über fünfhundert), US-Amerikaner und sogar Schweden (90 NHL-Profis) betroffen waren. Nun jedoch, wo die Weltmeisterschaft beginnt, sind Spieler aus 23 der 31 NHL-Clubs greifbar. Die besten acht Vereine stehen derzeit im Viertelfinale um den Stanley Cup, die Trophäe in der NHL.

Die Mannschaft für die WM wird eine andere sein als die bei Olympia. Nur zehn der 25 Silber-Helden sind dabei. Drei (Marcel Goc, Christian Ehrhoff, Patrick Reimer) haben ihre Nationalmannschaftskarriere beendet (Ehrhoff hat auch im Verein aufgehört), andere baten Marco Sturm nach dieser langen Saison um eine schöpferische Pause oder sind verletzt. Dafür bekommt der Bundestrainer drei Spieler aus der NHL: den deutschen Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), Dennis Seidenberg (New York Islanders), einen von erst drei deutschen Stanley-Cup-Gewinnern, und den gebürtigen Münchner Korbinian Holzer (Anaheim).

Kopenhagen und Herning sind die Austragungsorte der WM 2018 – der ersten in Dänemark. Vor 25 Jahren noch gingen die wenigen guten dänischen Spieler zur Ausbildung nach Schweden, heute sind sie gefragte internationale Exportartikel; auch der Deutsche Meister EHC München hatte zwei von ihnen (Mads Christensen, Markus Lauridsen). Mit Nikolai Ehlers gibt es sogar einen dänischen NHL-Star. In der Weltrangliste ist Dänemark 14. – sieben Plätze hinter Deutschland. 16 Nationen treten bei der WM an, die deutschen Gruppengegner sind Dänemark heute, Norwegen (9.), USA (6.), Südkorea (18.), Lettland (12.), Finnland (4.) und Kanada (1.). Man muss Gruppenvierter werden, um ins Viertelfinale zu kommen.

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