4 Fragen aN

„Himmelfahrt hat mit dem Vatertag nichts zu tun“

von Redaktion

Am Donnerstag ist nicht nur Vatertag – es ist auch Christi Himmelfahrt. Woher das Fest kommt, erklärt der Pfarrer der Münchner Heilig-Kreuz-Kirche, Monsignore Engelbert Dirnberger.

Am Donnerstag ziehen Männer zum Vatertag durch Bayern. Aber deswegen ist der Tag kein Feiertag. Warum dann?

40 Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt. Der Tag ist wie die meisten unsere Feiertage aus der christlichen Tradition begründet. Mit dem seit Ende des 19. Jahrhunderts begangenen Vatertag hat Christi Himmelfahrt inhaltlich nichts zu tun.

Was ist es für ein Fest?

Christi Himmelfahrt gehört zum Osterfestkreis. Es ist gleichsam die Voraussetzung dafür, dass an Pfingsten der Heilige Geist auf die Jünger herabkam. Jenes Ereignis, das als die Geburtsstunde der Kirche gesehen wird. Jesus war nach seiner Auferstehung immer wieder den Jüngern erschienen, zwar in veränderter Wesensgestalt, aber immer noch wahrnehmbar als der Meister und Herr, dem sie bis zur Kreuzigung gefolgt waren. Jetzt, bei der Himmelfahrt, wenn Jesus heim zum Vater geht, gilt es Abschied zu nehmen. Ab jetzt kommt es auf jeden Jünger und jede Jüngerin an, ob die Botschaft Jesu weiter in die Welt getragen wird. Wenn wir Christi Himmelfahrt mit Pfingsten zusammen denken, dann ist es ein großes Fest des Zutrauens, nämlich dass wir die Nachfolge Jesu schaffen können, aus unserem eigenen Bemühen zu dem uns Gott seinen Geist, seinen Atem, seine Kraft schenkt.

Herr Dirnberger, wo ist eigentlich der Himmel?

Der Himmel ist für mich jener reale oder gespürte Ort, an dem Gott mir ganz nahe ist. Als Christen glauben wir, dass wir Gott dort von Angesicht zu Angesicht schauen werden. Eine Spur von Himmel können wir sicherlich schon auf Erden erfahren, beispielsweise wenn wir glücklich sind, inneren Frieden finden oder die Umarmungen der Liebe spüren.

Wenn das der Himmel ist, was ist dann die Hölle?

Es ist die Umkehrung des Himmels. Da wir Menschen uns sowohl den Himmel als auch die Hölle auf Erden bereiten können, haben wir eine Ahnung davon, was die Hölle ist, ein Ort ohne Liebe nämlich, ohne Frieden und ohne Glück. Die letzte Freiheit des Menschen ist es, sich am Ende seiner Tage zu entscheiden, ob der Himmel oder die Hölle seine Zukunft sein soll. Letztlich ist es die Alternative zwischen einem Leben mit oder fern von Gott.

Interview: Kathrin Brack

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