1. Wenn der Vater die Tore klaut
Wenn Andreas Gebauer ein Tor schießt, dann liest er die Zeitung am Tag danach besonders gerne. Er blättert sofort zum Lokalsport, durchforscht die Fußballergebnisse. Kreis Zugspitze, B-Klasse 1, SV Kottgeisering, sein Verein. Vor drei Wochen hat er mal wieder getroffen. Als er die Zeitung durchsucht hat, war aber nicht er als Torschütze gelistet, sondern Christian Gebauer, sein Vater. Ein Fehler, klar. Andreas Gebauer schmunzelte nur. „Das passiert halt, wenn man mit seinem Papa in einer Mannschaft spielt.“
Es ist schon eine außergewöhnliche Geschichte, die sich beim SV Kottgeisering, einem kleinen Verein im Landkreis Fürstenfeldbruck, seit nun acht Jahren zuträgt. Christian Gebauer, 49, dirigiert in der Mitte, Andreas Gebauer, 26, flitzt die rechte Seite auf und ab. „Der Christian ist ein dynamischer Spieler, schnell, kampfstark“, sagt der Vater. Der Sohn findet: „Mein Papa ist körperlich robust, kann gut köpfen, aber ich renne ihm davon.“
Die Gebauers lieben den Fußball, und ganz besonders lieben sie es, ihn zu analysieren. Oft gemeinsam, im Wohnzimmer. Nur wenn sie die eigenen Leistungen bewerten, sind sie sich manchmal nicht einig. Der Vater sei kritischer, sagt Andreas, das liege an der Erfahrung. Neulich hat er sein 1000. Spiel für den SV Kottgeisering gemacht. Seit 100 Spielen kickt der Sohn neben ihm. Am Anfang, erinnert er sich, sei Andreas im Training manchmal „körperlich robust eingestiegen“. Der Sohn sagt: „Ich war schon angespornt.“ Das entspannte sich schnell. Heute sagt er: „Wahrscheinlich spielt er noch, wenn ich aufhöre.“ Als er das hört, lacht der Vater.
Er hat mit seinem Sohn gerade einen neuen Meilenstein erreicht: Der SV Kottgeisering steigt als Meister auf. „Das haben der Andreas und ich zusammen noch nicht geschafft.“ Das Gebauer-Mittelfeld wird weiterwirbeln, jetzt eine Liga höher.
2. Ein Vater, ein Bier und drei Söhne
Jetzt, da neun Jahre vergangen sind, gibt Willi Wiedemann gerne zu, dass er die Idee nur geklaut hat. Seine Frau hat sie ihm eingeflüstert. Sie hielt es damals nämlich für eine gute Idee, die drei gemeinsamen Söhne in das Familiengeschäft einzubinden. Und Willi Wiedemann hielt es für eine gute Idee, ihr zu gehorchen.
Also wagte er, der Chef des Kapplerbräu in Altomünster (Kreis Dachau), das große Familienprojekt. 2008 baute er Gasthof und Hotel, die zur 1561 eröffneten Brauerei gehören, um – und beschloss, diese nicht schon wieder zu verpachten. Er hatte nun ja drei Helfer.
Neun Jahre später sitzt Willi Wiedemann, 62, mit seinen Söhnen im Biergarten des Kapplerbräu. Er sagt stolz: „Ohne sie würde es nicht mehr funktionieren.“ Hans, 34, leitet mit seinem Vater die Brauerei. Anton, 32, managt Gasthof und Hotel. Max, 28, arbeitet dort als Küchenchef. In jeder Abteilung gibt es einen Wiedemann. „Wenn man als Familienbetrieb auftritt“, sagt Anton, „ist es auch nicht schlecht, immer mit einem Familienmitglied zu sprechen.“
Wem die drei ihren Werdegang erzählen, der ahnt, dass sie gut zum Kapplerbräu passen. Hans studierte Brauwesen, Anton machte eine Ausbildung im Eventbereich, Max eine Lehre als Koch. Als Kinder, sagt Hans, seien sie oft in der Brauerei gewesen. „Das prägt einen schon.“ Und es hinterlässt lustige Erinnerungen. Etwa die mit dem Gabelstapler. Die Kinder durften schon früh mit ihm fahren, einmal aber verwechselte Anton die Pedale, er bohrte die Greifarme in die Wand. „Die Löcher sind noch immer da“, sagt Max und grinst.
Um ihrem Vater zu helfen, haben die drei viel aufgegeben. Sie arbeiten, wenn ihre Freunde freihaben. Das gemeinsame Ziel aber spornt sie an. Nur eine Familientradition lassen sie dann doch aus. „Wir sehen uns so oft“, sagt Willi Wiedemann, „da muss jeder schon seinen eigenen Urlaub machen.“
3. Zwei Christians und die Liebe zur Musik
Wie es im Werdenfelser Land Brauch ist, trägt der erste Sohn den gleichen Vornamen wie der Vater. So ist das auch bei den Hornsteiners aus Farchant (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Doch Christian Hornsteiner, 45, und Christian Hornsteiner junior, 13, verbindet noch mehr: die Liebe zur Musik. Zur Volksmusik, um genauer zu sein.
Seit Christian im Alter von sechs Jahren angefangen hat, die „Diatonische“ – die diatonische Harmonika – zu lernen, musizieren die beiden zusammen. Sie treten sogar gemeinsam auf. Ein- bis zweimal monatlich stehen sie als „Duo Hornsteiner“ auf der Bühne. Der Vater begleitet seinen Sohn mit der Gitarre. „Wir üben täglich, wenn es sich zeitlich nausgeht“, betont Hornsteiner, der im Farchanter Rathaus arbeitet. Dazu zwingen muss er seinen Sprössling nicht. „Ich spiele sehr gerne“, versichert der Junior. Außerdem zahlt sich das Üben aus. Die Vater-Sohn-Combo ist so erfolgreich, dass sie im November 2017 den Wanderpreis „Traunsteiner Lindl“ gewonnen hat – quasi den Oscar der traditionellen Volksmusik. Seit dem Jahr 1967 wird der Preis an herausragende Musik- und Gesangsgruppen vergeben.
Ein Vorteil, der zum Sieg beigetragen haben könnte, mag der Verwandtschaftsgrad der Musikanten sein. Vater und Sohn kennen sich eben sehr gut. „Es reicht ein Blick und ich weiß, wann ich leiser oder lauter spielen muss“, sagt Papa Hornsteiner.
Der nächste Auftritt steht am Vatertag in Unterammergau an. Dann musiziert der Junior aber nicht mit dem Vater, sondern mit der Gruppe „Hoib und Hoib“. „Ich bin der Fahrer“, sagt der Papa und lacht. Auch seine Tochter Leni, 5, hat das musikalische Talent geerbt. Sie lernt seit September Harfe. „Und übt ganz fleißig“, sagt Christian Hornsteiner. Immer morgens, bevor sie in den Kindergarten geht. Vielleicht wird aus dem Duo bald ein Hornsteiner-Trio.
4. Zwei Männer packen zam an
Den Vatertag feiern Luis Bastos, 55, und sein Sohn Miguel, 32, aus Fürstenfeldbruck traditionell jedes Jahr – aber nicht miteinander.
Der Sohn schmunzelt: „Wir sehen uns ja schon täglich.“ Und zwar in der Arbeit. 2010 ist Miguel Bastos in das Unternehmen seines Vaters eingestiegen. Der Name seiner Umzugsfirma mit Hauptsitz in Jesenwang lautet: „Die kräftigen Männer“. Geplant hat Miguel Bastos das nicht. Nach der Schule studierte er Projektmanagement, plante Veranstaltungen und arbeitete in der Gastronomie.
Als er selbst eine Familie gründete, entschied er sich für den Wechsel ins Familienunternehmen. Die Nachtschichten waren mit seinen beiden Kindern nicht vereinbar. Die Entscheidung des Sohnes freute den Vater sehr. „Immerhin ist Miguel mit der Firma aufgewachsen.“ Sie ist sogar älter als er, nämlich 34 Jahre.
Luis Bastos findet es aber auch positiv, dass Miguel vorher in etwas anderem erfolgreich war. „Ich bin sehr stolz auf ihn.“ Auf seinen Sohn kann er sich immer verlassen, sagt er. „Die Nachfolge der Firma ist in guten Händen.“
Auch der Sohn schätzt die Nähe zum Vater. „Wir kennen uns einfach gut. Ich weiß, was ihm wichtig ist.“ Bei den kräftigen Männern arbeitet auch eine kräftige Frau: Miguels Mutter Karin. Miguel hat auch viel von ihr, sagt der Vater. „Beide sind taff und sehr konsequent.“
Texte: Magdalena Kratzer & Christopher Meltzer