Andreas König ist Leiter der Arbeitsgruppe Wildbiologie an der TU München. Er hat sich in mehreren Studien mit der Situation der Wildgänse in Bayern beschäftigt – und erklärt im Interview, was den Gänsen am oberbayrischen Fünf-Seen-Land so gefällt.
Herr König, was ist die Gans für ein Tier?
(lacht) Sie sind gut, wo soll ich anfangen? Also: Die Gans ist zunächst mal eine der größeren Wasservogel-Arten. Im Fünf-Seen-Land haben wir besonders viele Graugänse und auch Kanadagänse. Beide sind übrigens ursprünglich im Süden Bayerns nicht heimisch.
Woher kommen sie denn?
Die Kanadagans kommt aus Amerika und wurde früher von den Herrschaftshäusern eingeführt. Die Graugänse in Oberbayern gehen überwiegend auf den Zoologen und Verhaltensforscher Konrad Lorenz zurück. Lorenz hat in den 1950er-Jahren mit den Tieren am Ammersee Versuche gemacht. Dabei sind ihm ein paar entwischt. Und seitdem sind die Graugänse das ganze Jahr über hier.
Anders als „richtige“ Wildgänse?
Ja. Die Gänse werden im Fünf-Seen-Land auch deshalb ganz anders wahrgenommen, weil sie eben nicht das halbe Jahr irgendwo anders ihr Winter- oder Sommerquartier beziehen.
Warum gefällt es den Gänsen im Fünf-Seen-Land so gut?
Zum einen gibt es eine hohe Gewässer-Dichte. Zum anderen gibt es viel Grünland und große Naturschutzbereiche. Das südliche Ende des Ammersees ist für Gänse ein toller Ort, um dort zu brüten.
Von Gänsekot genervte Badegäste sind das eine. Aber auch Landwirte sind mancherorts von den Gänsen geplagt. Wie groß ist diese Bedrohung?
Kommt auf das Gebiet an. Nehmen Sie den Altmühlsee in Mittelfranken: Da gibt es eine viel höhere Gänse-Dichte als am Ammersee. Und da gibt es immer wieder Schäden und Ernte-Ausfälle bis zu 60 000 Euro.
Bleibt die Gretchenfrage: Was kann man gegen die vielen Gänse tun?
Wir wissen: Wo es viele Menschen gibt, sind auch viele Gänse – weil viele Leute die Tiere füttern. Das gilt auch für die Herrschinger Bucht am Ammersee. Für Gänse gilt, was für alle Tiere gilt: Sie sind erpicht darauf, ihre Energie-Aufnahme zu maximieren. Und damit ihre Überlebenschancen im Winter zu erhöhen.
Interview: Maximilian Heim