Altlöwe Franz Hell, 64, ist bekannt für seinen Optimismus. Der Allesfahrer hat seit den 70er-Jahren kein Pflichtspiel des TSV 1860 verpasst – auch nicht die Extrem-Relegation 1977. „Nach dem 0:4 in Bielefeld bin ich noch auf dem Parkplatz zu Ernst Potzler hin, unserem damaligen Geschäftsführer. Ernst, habe ich gesagt: Ich möchte Karten fürs Entscheidungsspiel in Frankfurt bestellen! Der hat mich angeschaut wie eine Schwalbe, wenn’s blitzt. Aber irgendwie hatte ich das damals im Gefühl.“ Sein Gefühl täuschte ihn nicht, 1860 stieg auf. Und dieses Mal?
Franz Hell, selten hat man Sie so nervös erlebt wie am Donnerstag. Geht es Ihnen nach dem 3:2-Auswärtssieg Ihrer Löwen besser?
Wesentlich besser. Die Buben können stolz sein auf sich – jeder hat gekämpft bis zum Umfallen. Der erste große Schritt ist gemacht. Ein gewisses Unbehagen bleibt zwar, weil speziell ich bei 1860 schon alles Mögliche erlebt habe. Ich hoffe aber, dass wir am Sonntag den Sack zumachen, endlich wieder aus dieser Liga rauskommen und dann auch wieder vernünftige Stadien sehen. Wo man Parkplätze hat, die nicht in der Prärie liegen.
Was würde der Aufstieg für den Verein bedeuten?
Sehr viel. Ich hoffe, dass dann die beiden Gesellschafter – also der Verein und die Investorenseite – auf einen grünen Zweig kommen. Mein Wunsch wäre, dass sie eine Mannschaft auf die Beine stellen, die auch in der 3. Liga eine gute Rolle spielen kann. Von einem Durchmarsch wage ich nicht zu träumen. Träume gehen leider nicht immer in Erfüllung.
Die letzte Aufstiegsfeier der Löwen liegt 25 Jahre zurück. Angenommen, es geht gut am Sonntag – sind dann Szenen wie 1993 in Meppen zu erwarten, nach dem Aufstieg in die Bundesliga?
Man hat ja schon gesehen, was in Pipinsried los war, als nur die Meisterschaft in der Regionalliga fix gemacht wurde. Ich glaube, dann bricht München zusammen – und auch mit Recht. Das ist einfach was Besonderes. Wenn ich das 100. Mal Deutscher Meister oder Pokalsieger werde, dann interessiert das niemanden mehr – außer ein paar Japaner. Ich glaube, die Stadt und unsere Anhängerschaft lechzen danach, mal wieder richtig was zu feiern zu haben.
Wird die Feier der Bayern also getoppt?
Ich kann mich noch sehr gut an 1991 erinnern. Oder an 1977. Damals waren 40 000 Leute am Marienplatz. Sollte es am Sonntag eine spontane Feier geben, werden das nicht weniger sein. Und wir sind natürlich dabei.
Interview: Uli Kellner