München – Die Wildbiene ist in Gefahr. Während das Überleben der Honigbienen dank fleißiger Imker weitgehend gesichert ist, sind die wilden Genossen in großer Not: Jede dritte der 569 Arten ist vom Aussterben bedroht. 39 Wildbienenarten sind bereits verschwunden.
Den einen Grund für das Bienensterben gibt es nicht, auch wenn vieles der industriellen Landwirtschaft zugeschrieben wird. Das Umweltinstitut München nennt insgesamt sieben Gründe, darunter Insektizide und den „Cocktaileffekt“, also die Mischung verschiedener Gifte aus Luft, Wasser und Pflanzen. Letzterer wird bei der Zulassung von Pestiziden nicht beachtet. Ebenfalls auf der Liste: monotone Agrarlandschaften ohne Kräuter oder Blühpflanzen, eine unachtsame Mahd, bei der tausende Bienen auf einmal sterben können, sowie Überzüchtung, der Klimawandel und die Varroa-Milbe. Diese ein bis zwei Millimeter große Milbe, lateinisch Varroa destructor, übersetzt heißt das „Zerstörer“, befällt ganze Bienenstöcke.
Es gibt einige unterschiedliche Ansätze zum Schutz der Insekten. Städte wie Minden verteilen Samentütchen und animieren so ihre Bewohner, Blumen zu pflanzen. In einem Supermarkt in Hannover wurden zum Weltbienentag im Mai alle Produkte aus den Regalen geräumt, die es ohne Bienen nicht geben würde. Jetzt will sich auch die Politik für das Insekt einsetzen.
So haben die Grünen 500 Millionen Euro für ein Bienenschutzprogramm gefordert. Es brauche mehr Lebensräume für Bienen in Form von Blühwiesen, Auen und Wildfruchthecken, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Um Wildnisgebiete auf zwei Prozent der Landesfläche auszuweiten, „fordern wir einen Wildnisfonds“.
Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will ein Aktionsprogramm Insektenschutz, damit Lebensräume für Wildbienen und andere Insekten geschaffen würden. „Aufgeräumte Gärten ohne einheimische Pflanzenarten oder Äcker voller Insektizide sind da keine Hilfe“, sagte sie. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) betonte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, ihr Ressort investiere pro Jahr drei Millionen Euro in Forschung und Kampagnen zum Bienenschutz. Das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeite zudem an einer umfangreichen Ackerbaustrategie für Deutschland, sagte die Ministerin: „Das bedeutet beispielsweise mehr Blühstreifen auf Ackerflächen, aber auch die Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.“ Die Biene, das steht fest, ist zum parteiübergreifenden Politikum geworden. kb/dpa