DEM TUMOR auf der Spur

von Redaktion

Wächst im Körper ein Tumor, hinterlässt er auch im Blut Spuren. Weltweit arbeiten nun Forscher daran, diese „lesbar“ zu machen. Damit wollen sie den Krebs früher aufspüren – schon dann, wenn Betroffene noch keine Beschwerden haben.

Was verändert sich im Blut? Eine Krebserkrankung verändert den Stoffwechsel – und damit die Zusammensetzung der Moleküle im Blut. Vor allem aber: Die DNA, also das Erbgut, von Tumorzellen unterscheidet sich von der DNA gesunder Zellen. Im Blut finden sich manchmal ganze Tumorzellen. Häufiger sind dort allerdings Bruchstücke von Krebszellen. Diese entstehen, wenn die bösartigen Zellen zerfallen, was vor allem bei größeren Tumoren passieren kann. Die Bruchstücke werden im Blut abtransportiert. Auch intakte Tumorzellen geben winzige DNA-Stücke ab, die im Blut zirkulieren.

Wie will man das nutzen?

Dazu gibt es viele Ansätze. Der Garchinger Super-Laser (siehe Haupttext) versucht zum Beispiel, alle Krebsspuren gleichzeitig zu erfassen, statt nach einzelnen Veränderungen zu suchen. Andere Tests zielen darauf ab, einen Anstieg spezieller Eiweiße im Blut nachzuweisen, sogenannte Tumormarker. Dazu gehört etwa der „PSA-Test“, der Prostatakrebs früher aufspüren soll. Ziel vieler Forscher ist es heute aber, auf mehrere Krebsarten gleichzeitig zu testen. Zusammengefasst werden Tests auf Krebsspuren im Blut oft unter dem Schlagwort „Liquid Biopsy“, also „Flüssigbiopsie“. Der Begriff ist an die Biopsie, die Entnahme von Gewebe, angelehnt, die bei einem Krebsverdacht meist nötig ist. Bluttests können diese bislang nicht ersetzen.

Gibt es schon Ergebnisse?

Ja. Erst vor wenigen Tagen machte ein neuartiger Bluttest Schlagzeilen, der beim Treffen der amerikanischen Krebsgesellschaft „ASCO“ in Chicago vorgestellt worden ist (wir berichteten). Es handelt sich um einen Test, der auf die winzigen DNA-Stückchen abzielt, die Tumorzellen ins Blut abgeben. Die ersten Ergebnisse der Studie, die Forscher in Stanford und Cleveland durchgeführt haben, klingen vielversprechend: Bei Krebs der Bauchspeicheldrüse, Eierstöcke, Leber und Gallenblase wurde die Erkrankung bei vier von fünf Betroffenen tatsächlich erkannt. Insgesamt zeigte der Test zehn Krebsarten relativ zuverlässig an.

Wo liegen die Grenzen?

An der Studie haben mehr als 1600 Menschen teilgenommen. Davon waren zum Studienstart 749 nicht von Krebs betroffen, bei 878 war die Erkrankung kurz zuvor entdeckt worden. Insgesamt war die Zahl der per Test festgestellten Krebsfälle allerdings gering. Eierstockkrebs zum Beispiel wurde in der Studie nur bei zehn Frauen festgestellt – das relativiert die Treffsicherheit von rund 90 Prozent, die der Test bei dieser Krebsart laut Studie erzielt hat. Bei „Lymphomen“ lag die Genauigkeit bei 77 Prozent, bei „Myelomen“ waren es 73 Prozent, bei Lungenkrebs nur noch 59 Prozent. Auch die Autoren der Studie räumen darum ein, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt. aNDREA Eppner

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