„Lasers 4 Life“-Projekt

Zwei Esslöffel Blut im Kampf gegen Krebs

von Redaktion

von Barbara Nazarewska

München – Professor Ferenc Krausz ist ein Mann klarer Worte. Aber manchmal gerät selbst er, Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik, ein bisschen ins Schwärmen. Und zwar dann, wenn er seinen Rechner aufklappt und über ein Herzblut-Projekt spricht. Dieses Projekt heißt „Lasers 4 Life“ – und Blut spielt hier in der Tat eine entscheidende Rolle. Denn: Nur zwei Esslöffel des besonderen Saftes könnten die Medizin in zehn bis 15 Jahren nahezu revolutionieren.

Nun muss man wissen, dass Krausz und sein Team an einer neuen Art der Krebsfrüherkennung arbeiten – nämlich mittels Laser. Konkret bedeutet das: Ein Patient bekommt zehn Milliliter Blut abgenommen, diese Probe kommt unter einen sogenannten Ultrakurzpuls-Laser, das unsichtbare Infrarotlicht des Lasers durchdringt das Blut, und wenige Minuten später steht die Diagnose.

Noch ist das ein Wunschtraum – und bis zu seiner Erfüllung müssen die Forscher eine Menge Arbeit leisten: Erst mal müssen sie nämlich die spezifischen Muster unterschiedlicher Krankheiten im menschlichen Blut identifizieren: die „Infrarot-Fingerabdrücke“. Allein das ist eine Mammutaufgabe.

„Die Gesunden spielen dabei eine große Rolle“, sagt Krausz. Denn man müsse herausfinden, welche „Fingerabdrücke“ typisch für sie sind. Und da jeder Mensch ein bisschen anders ist, wird es nicht ganz einfach, zu definieren, wo Gesundheit endet – und Krankheit beginnt. Aber: Je mehr gesunde Menschen eine kleine Blutprobe zu Forschungszwecken abgeben (siehe Kasten), umso schneller kommt man ans Ziel.

Der Weg dahin sieht so aus: Jede Blutprobe wird gelasert. „Dabei verwenden wir einen Laser, der extrem kurze Lichtblitze aussendet“, erklärt Krausz. Die Blitze regen die Moleküle im Blut an. Was wiederum dazu führt, dass diese kleinsten Teilchen in Schwingung geraten und Lichtwellen aussenden. Jede Lichtwelle ist eindeutig durch ihre Frequenz charakterisiert – und die kann man messen. Wenn sich jetzt eine Welle verändert, hat sich auch etwas im Körper verändert. Die Frage ist nur: Was konkret? Dem müssen Krausz und sein Team nun auf die Spur kommen.

Da man sich einem großen Ziel in kleineren Etappen nähert, begann das Projekt zunächst mit Krebskranken: und zwar am Brustzentrum (Professor Nadia Harbeck) der Ludwig-Maximilians-Universität München, kurz LMU, sowie an den LMU-Kliniken für Urologie (Professor Christian Stief) und Pneumologie, also Lungenheilkunde, sowie an der Asklepios Klinik Gauting (Professor Jürgen Behr).

Dr. Gerald Schulz von der Urologie am Standort Großhadern war von Anfang an dabei. Seine Vision: die Verbesserung der Prostatakrebsvorsorge. Und: „Die sichere Unterscheidung zwischen aggressivem Prostatakrebs von weniger aggressiven Vorstufen.“

An der Uniklinik betreute er Männer, die an Prostatakrebs erkrankt waren und denen für das „Lasers  4 Life“-Projekt Blut abgenommen und untersucht wurde. Daraus ergaben sich dann erste Hinweise auf den „Fingerabdruck“ dieser Krebsart. „Interessant wäre ein solches Verfahren in Zukunft womöglich auch für Patienten nach einer Prostatakrebs-Behandlung“, sagt Dr. Schulz. Denn: „Hier könnten die Laser helfen, durch den Bluttest das Zurückkommen der Erkrankung oder sogar das Ansprechen auf eine Therapie zuverlässig vorherzusagen.“

Dr. Schulz ist jedenfalls davon überzeugt, dass in solchen Tests die medizinische Zukunft liegt – insbesondere aus einem Grund: „Blut ist relativ einfach zu bekommen“, sagt er. Ein ungefährlicher Piks, kein chirurgischer Eingriff, im Prinzip also null Risiko. Wenn man es aber jetzt noch schaffte, bei – vermeintlich – Gesunden via Bluttest Krebs sicher zu diagnostizieren, das wäre freilich der ganz große Durchbruch.

Das wissen auch die Forscher des Max-Planck-Instituts – und arbeiten an einer großen Datenbank. „Jeder Mensch hat im Blut einen molekularen Fingerabdruck“, sagt Molekularbiologin Dr. Mihaela Zigman, die von Kollegen auch „Molekül-Detektivin“ genannt wird und beim „Lasers 4 Life“-Projekt die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Physikern koordiniert. Erhebliche Abweichungen vom „gesunden Fingerabdruck“ deuten auf eine Krankheit hin. Die Krux ist aber: Krankheit ist eben nicht gleich Krankheit. Und keinesfalls darf es zu Verwechslungen kommen, etwa bei einem fast identischen „Fingerabdruck“ einer Erkältung und eines Tumors. „Wir müssen also für jede Krankheit einen eigenen Fingerabdruck klar definieren“, sagt Professor Krausz. „Dazu ist ein Vergleich mit gesunden Menschen erforderlich.“ Nur so ließen sich Veränderungen feststellen, die eine Krankheit verursacht habe.

Deshalb haben die Wissenschaftler jüngst 100 Blutproben in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft gesammelt: 100 Blutproben von 100 Menschen, die nicht an Krebs erkrankt sind. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Krausz. Die Forscher brauchen tausende solcher Proben – weltweit. Diesen Donnerstag starten sie nun eine Blutspendeaktion in München (Hinweis unten). Ein kleiner Schritt in eine große Zukunft.

Machen auch Sie mit!

Die Blutspendeaktion für die Forschung findet diesen Donnerstag und Freitag, 14. und 15. Juni, jeweils von 8 bis 20 Uhr in München statt: in der Frauenklinik an der Maistraße 11. Jeder, unabhängig vom Alter, der nicht an Krebs erkrankt ist, kann vorbeikommen, um sich für das „Lasers 4 Life“-Projekt Blut abnehmen zu lassen. Voranmeldung nicht erforderlich!

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