Das komplizierteste Abkommen, das je verhandelt wurde

von Redaktion

Übersteigerter Nationalstolz und Atombomben als Staatsziel: Warum die Abrüstung Nordkoreas schwerer als der Iran-Deal ist

Singapur – Es ist ein ungleiches Zusammentreffen. Hier die Supermacht USA, dort das international isolierte Nordkorea. Doch Washington sieht sich durch Nordkoreas Atomwaffen bedroht. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

-Was meint Nordkorea, wenn es von atomarer Abrüstung redet?

Nordkorea versteht sich als stolzer Atomwaffenstaat. Als Kim im April überraschend die Aussetzung der Atom- und Raketentests verkündete, sagte er, das Ziel, eine Atomstreitmacht aufzubauen, sei nun abgeschlossen. Die „atomare Abrüstung“ solle im Rahmen der Bemühungen erfolgen, weltweit Atomwaffen abzuschaffen. Von einer Aufgabe seines Atomwaffenarsenals war zunächst nicht die Rede. Ob Kim von Trump fordern wird, dass die USA ihren nuklearen Schutzschild für ihre Verbündeten Südkorea und Japan abziehen, ist noch unklar.

-Wovon sprechen die USA, wenn sie von „Denuklearisierung“ sprechen?

Die USA wollen, dass Pjöngjang in absehbarer Zukunft nicht nur seine Atomwaffen zerstört. Auch die Interkontinentalraketen sowie jene Raketen, die zwar nicht die USA, aber Südkorea oder Japan treffen können, sollen beseitigt werden. Im Kern geht es den USA und ihren Alliierten darum, Nordkorea die Basis dafür zu entziehen, in Zukunft atomwaffentaugliches Material überhaupt produzieren zu können.

-Ist die atomare Abrüstung Nordkoreas schwerer als der Iran-Deal?

Es wäre nach Expertenansicht das komplizierteste Abrüstungsabkommen, das je verhandelt worden ist. Dagegen sei das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe ein „Kinderspiel“ gewesen. Es gibt keine historischen Beispiele. Der amerikanische Nordkorea-Kenner und Atomwaffenexperte Siegfried Hecker schrieb zusammen mit einem Team der Universität Stanford in einem Gutachten, die atomare Abrüstung könne sich über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren erstrecken. Weitere bilaterale Verhandlungen könnten aber rein theoretisch auch rascher den Weg für einen „Big Deal“ ebnen, von dem Trump immer wieder spricht.

-Wie könnte es weitergehen, braucht es nicht Inspektionen?

Ja, im großen Maße sogar. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien müsste ein ganzes Heer losschicken, um alle Aktivitäten Nordkoreas zu untersuchen. Nordkorea müsste alle seine Atomanlagen offenlegen und Inspekteure hereinlassen – für den verschlossenen Staat eine schwer vorstellbare Transparenz. Die IAEA hat gestern jedenfalls ihre Bereitschaft unterstrichen, eine atomare Abrüstung zu überwachen. IAEA-Chef Yukiya Amano sagte, dass die UN-Behörde bei entsprechenden Bitten der beteiligten Länder einsatzbereit sei.  dpa/mm

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