Eric Ballbach forscht am Institut für Koreastudien der Freien Universität Berlin und erklärt, wie der Gipfel in Singapur einzuordnen ist.
Waren Sie überrascht von der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung?
Nein, ich habe schon damit gerechnet, dass etwas unterzeichnet wird. Etwas, das vage formuliert ist. Details werden erst im sich anschließenden diplomatischen Prozess ausgearbeitet.
Das heißt, es ging gestern vor allem um Bilder?
Ja, dieser Gipfel war in erster Linie symbolisch. Beide Seiten werden jetzt versuchen, ihn innenpolitisch als Erfolg darzustellen. Vor allem für Kim Jong Un, den Führer eines sehr kleinen ostasiatischen Staates, sind Bilder, die ihn mit dem „leader of the free world“ zeigen, unbezahlbar. Innenpolitisch hat er allein durch den Gipfel schon etwas erreicht. Jetzt muss man natürlich fragen: Was bringt Trump mit nach Hause? Die Republikaner stellten Obamas Annäherung an Kuba damals als Einknicken der USA gegenüber einem Diktator ohne Gegenleistungen dar. Das Gipfel-Treffen gestern in Singapur war aber im Grunde nichts anderes.
Also könnte Trump in den USA dafür kritisiert werden, Nordkorea ohne Gegenleistung einen Gefallen getan zu haben?
Bei den Demokraten ist diese Kritik schon da. Die Republikaner halten sich eher zurück. Und während man die Sache natürlich kritisch beäugen sollte, muss man sich auch immer wieder die Frage stellen, was denn die Alternative wäre? Eine Alternative zum Dialog gibt es im nordkoreanischen Kontext kaum. Die Alternative wäre Krieg. Der Dialog ist zu begrüßen, weil er einen diplomatischen Prozess anstößt.
Ist dieser Anstoß Donald Trump zu verdanken?
Es kamen mehrere Faktoren zusammen. Die internationale Sanktionspolitik war auch dank China und Russland wirkungsvoll. Außerdem ist Nordkorea inzwischen de facto Nuklearmacht und hat damit eine ganz neue Verhandlungsposition.
Kim erschien sieben Minuten vor Trump: Ein Zeichen von Respekt?
Wenn es eine bewusste Entscheidung war, dann kann das durchaus eine Respekts-Geste sein. Denn im Konfuzianismus, der in Korea immer noch sehr stark ist, gilt es als höflich, dass der jüngere immer vor dem älteren da ist. Man kann nur spekulieren, ob es geplant war. Möglich wäre es schon.
Interview: Laurenz Gehrke