München – Die Familie ist schon seit ein paar Stunden unterwegs, im Auto, Richtung Süden. Dann passiert es: ein platter Reifen, mitten auf der Autobahn. Der Vater hält an, es dauert keine Minute, schon bieten sich Helfer an. Und ehe sich die Urlauber versehen, fehlen Handtasche und Geldbeutel. Die vermeintlichen Helfer, das wird den Bestohlenen jetzt klar, haben den Reifen beim letzten Raststättenaufenthalt aufgeschlitzt.
Vor dieser Masche warnt die österreichische Autobahnpolizei. Sie geht davon aus, dass sich diese Fälle in den kommenden Wochen häufen werden, wenn nach und nach Familien in den Sommerurlaub starten. Auf der deutschen Seite gab es derlei Fälle bislang nicht, heißt es von den Autobahnpolizeien Rosenheim und Traunstein auf Anfrage. Dennoch sollten Reisende, die nach Österreich oder weiter nach Italien, Slowenien oder Kroatien fahren, auf der Hut sein. Zusammen mit dem ADAC haben wir Sicherheitshinweise für den Sommerurlaub zusammengestellt – und ein paar hilfreiche Tipps für die Fahrt in die Ferien:
Vorsicht vor Straßen-Überfällen
Vor perfiden Maschen wie den Reifenschlitzern können sich Urlauber ohne großen Aufwand schützen. Oft genügt es schon, wenn ein Reisender am Auto bleibt und ein wachsames Auge auf Umgebung und Auto hat. Als zusätzliche Schutzmaßnahme rät der ADAC, die Reifen nach jedem Stopp zu kontrollieren. Aufgestochene Reifen sind jedoch nicht die einzige Masche, gegen die man sich wappnen sollte. Reisende berichten immer wieder von Wohnmobil-Einbrüchen auf Rastplätzen in ganz Europa. Dabei brechen die Räuber nachts die Fenster der Fahrerkabine auf und stehlen alle Wertgegenstände, die sie in kürzester Zeit in die Finger bekommen. Deshalb sollten Urlauber nur auf Campingplätzen und niemals an Raststätten übernachten.
Beim sogenannten Pannentrick hingegen behaupten die Täter, der Hinterreifen qualme. Während der Fahrer nachschaut, räumen die Diebe das Auto blitzschnell aus. Doch es geht auch andersrum: Manchmal behaupten die Täter, sie hätten selbst eine Panne. Darum rät der ADAC immer zur Vorsicht, wenn es im Urlaub um etwaige Pannen geht.
Die Urlaubsfahrt richtig planen
Je länger die Fahrt dauert, desto höher auch der Stress für alle Beteiligten. Das Stresslevel lässt sich aber mit ein paar einfachen Tricks senken. Tipp Nummer eins: nicht mit leerem Magen losfahren. Je nach Tageszeit genügt ein leichtes Frühstück oder Mittagessen. Auf deftige Gerichte direkt vor der Fahrt sollten Urlauber dagegen verzichten. Die Verdauung verbraucht nach deftigem Essen viel Energie, man wird schneller müde, die Aufmerksamkeit sinkt. Auch für die Fahrt sollte man genügend Verpflegung einpacken. Zuhause vorbereitetes Essen und Getränke schonen den Geldbeutel und können gleichzeitig Retter in der Not sein. Geraten Urlauber in einen Stau, ist die nächste Raststätte meist mehrere Kilometer entfernt. Essen und Getränke im Auto können nicht nur die Stimmung retten – gerade an heißen Sommertagen. Sind Kinder mit an Bord, sollte man auch deren Tagesrhythmus beachten und Mahlzeiten dementsprechend einplanen. Das Gleiche gilt für Pausen, die man laut ADAC in regelmäßigen Abständen einplanen sollte – und leicht mit einem kurzen Spaziergang verbinden kann. Auch die Kleidung spielt bei längeren Fahrten eine Rolle: Sie sollte möglichst bequem und luftig sein.
So wird die Reise zum Kinderspiel
Längere Autofahrten mit Kindern sind für alle Beteiligten eine Herausforderung. „Sind wir schon da?“, ist wohl die am häufigsten gestellte Frage. Damit die Kleinen nicht ungeduldig werden und quengeln, sollten sich (Groß-)Eltern Gedanken machen, wie sich die Kinder beschäftigen können. Kinder, die schon lesen und schreiben können, können zum Beispiel Kennzeichen-Spiele spielen: Wer entdeckt die meisten Schnapszahlen? Wer weiß, woher die Autos kommen? Neben Auto- sind auch Kartenspiele eine gute und einfache Möglichkeit, Kinder von der langen Fahrt abzulenken. Auch Hörbücher sind ein guter Zeitvertreib. Von Büchern rät der ADAC dagegen ab: Gerade bei Kindern besteht die Gefahr, dass ihnen beim Lesen schlecht wird.
Für Sicherheit im Auto sorgen
Sind Kinder im Auto, ist die Wahl des richtigen Kindersitzes entscheidend für die Sicherheit des jungen Mitfahrers. Denn nur die richtigen Kindersitze bieten den nötigen Schutz. Eltern sollten auch ein Auge aufs Gepäck haben, denn das kann schnell zur Gefahr werden. Arglos auf die Kofferraumablage geworfene Taschen können sich bei einer Vollbremsung in Fluggeschosse verwandeln. Deshalb sollte der Kofferraum nicht überpackt werden. Das gilt für das ganze Auto. Der ADAC rät davon ab, jede noch so kleine Ritze im Innenraum mit Gepäck zu füllen. Denn bei einer Überladung, also einer Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts, verändert sich das Fahrverhalten massiv. Vor allem Kurven werden zur Gefahr, ein überladenes Auto kann ins Schleudern geraten. Zusätzlich sollte man neben dem zulässigen Gesamtgewicht auch auf eine gleichmäßige Lastverteilung achten und die schweren Gegenstände möglichst am Kofferraumboden verstauen. Wichtig: den Reifendruck an das neue Gewicht anpassen.
Gefährlich: Müde am Steuer
Müdigkeit schränkt die Fahrtauglichkeit ähnlich ein wie Alkoholkonsum. Nach 17 Stunden ohne Schlaf fährt man, als hätte man 0,5 Promille Alkohol im Blut. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist stark eingeschränkt. Daher warnt der ADAC vor zu langen Fahrten. Bei brennenden oder immer wieder zufallenden Augen, häufigem Gähnen, Gereiztheit und Nervosität sollte man eine Pause einlegen. Wer einen Beifahrer hat, sollte sich regelmäßig abwechseln, um zu langes Fahren zu vermeiden und die Ermüdungsgefahr zu verringern.
Urlauber sollten unbedingt auf ihre innere Uhr hören: Laut ADAC passieren die meisten Unfälle zwischen 2 und 5 Uhr nachts sowie kurz nach 14 Uhr. Zu diesen Zeitpunkten sind die meisten Menschen besonders müde. Deshalb empfiehlt es sich, eine lange Fahrt am frühen Morgen zu beginnen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Wer zu spät ins Bett geht, ist am Morgen nicht ausgeschlafen. Etwa sieben Stunden Schlaf sollten es vor einer längeren Fahrt sein.
Staus meiden: Das sind die Stoßzeiten
Es gibt einen zweiten Grund, frühmorgens in den Urlaub aufzubrechen: Wenn Pendler und andere Verkehrsteilnehmer noch schlafen, ist es auf den Straßen leerer und die Staugefahr dementsprechend gering. Grundsätzlich ist es ratsam, „antizyklisch“ zu fahren, um Staus zu vermeiden. Außerdem sollte man Hin- und Rückreise jeweils an Sonn- und Feiertagen planen, da an diesen Tagen fast keine Lkw fahren dürfen. Zur einfachen Handhabung hat der ADAC einen „Staukalender“ erstellt, auf dem die besonders staugefährlichen Tage rot markiert sind. Im Sommer sind jeweils die Juli-Wochenenden sowie das erste Augustwochenende als besonders ungünstige Reisetage gekennzeichnet.
Obacht: Teure Bußgelder im Ausland
Im europäischen Ausland gelten zum Teil andere Verkehrsregeln als in Deutschland. Den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Geschwindigkeitsüberschreitungen und weitere Verkehrssünden können bei unseren Nachbarn richtig teuer werden. Während 20 Stundenkilometer zu viel in Deutschland 35 Euro kosten, sind es in der Schweiz umgerechnet 155 Euro. Wer einen gemütlichen Abend in einem Restaurant hatte, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich nach einigen Gläsern Wein oder Bier noch hinters Steuer setzt: In fast allen Ländern in Europa gilt die gleiche Grenze wie in Deutschland, 0,5 Promille, und die Geldstrafen bewegen sich auf einem vergleichbaren Niveau, doch schon ab einem Promille kann es richtig happig werden. Bei diesem Wert droht in Schweden schon eine Freiheitsstrafe, in Italien kann die Polizei ab einem Wert von 1,5 Promille das Auto beschlagnahmen und den Fahrer enteignen.
In Deutschland gilt seit 2014 Warnwestenpflicht, es muss also in jedem Auto eine Warnweste für den Fahrer vorhanden sein. Tragen muss der Fahrer diese bei einer Panne jedoch nicht zwingend. Im europäischen Ausland ist die Regelung deutlich strenger. In mehreren Ländern, beispielsweise Frankreich, muss sich für jeden Mitfahrer ebenfalls eine Warnweste im Auto befinden und diese muss am Straßenrand auch getragen werden. Sind zu wenige Westen vorhanden oder werden sie nicht getragen, kann das über 100 Euro kosten.
Sollten sich Urlauber trotz guter Vorbereitung einen Verstoß im EU-Ausland leisten, kann dieser ab einem Betrag von 70 Euro auch in Deutschland vollstreckt werden. In Österreich liegt die Grenze bei nur 25 Euro. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Verkehrsverstöße aus dem Ausland geben keine Punkte in Flensburg und erteilte Fahrverbote aus dem Ausland gelten nicht in Deutschland.
Andere Länder, andere Mautpflicht
Im Gegensatz zu Deutschland, wo noch an der Umsetzung gearbeitet wird, gibt es in 23 Ländern Europas bereits eine Pkw-Maut. In 15 Ländern, etwa Italien, zahlen Autofahrer je nach gefahrener Strecke. Heißt: In bestimmten Abständen stehen Mautstationen, an denen der nächste Streckenabschnitt bezahlt werden muss. In acht Ländern, beispielsweise Österreich, gibt es Vignetten im Zeitraum von einer Woche bis zu einem Jahr. Vergessen Urlauber, sich die Vignette zu holen, kostet das statt etwa zehn Euro schnell 120 bis 300 Euro.