München – Rund die Hälfte der 1,44 Millionen wahlberechtigten Türken in Deutschland hat bei der Präsidenten- und Parlamentswahl abgestimmt. Das Ergebnis ist eindeutig: 64,78 Prozent votierten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu für Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan. Seinen stärksten Konkurrenten Muharrem Ince von der linksliberalen CHP (21,88 Prozent) distanzierte er damit weitaus deutlicher als zu Hause in der Türkei. In allen 13 Wahllokalen in Deutschland erhielt Erdogan die absolute Mehrheit. In München haben Erdogan-Anhänger noch am Wahlabend mit einem Autocorso auf der Leopoldstraße gefeiert. Hier eine Übersicht der Ergebnisse:
-München: 65,5 Prozent für Erdogan, 26,4 für Ince
-Nürnberg: 59,7 für Erdogan, 29,3 für Ince
-Essen: 76,3 für Erdogan, 13,2 für Ince
-Düsseldorf: 70,5 für Erdogan, 18,4 für Ince
-Stuttgart: 68,8 für Erdogan, 18,7 für Ince
-Münster: 66,1 für Erdogan, 20,3 für Ince
-Köln: 65,9 für Erdogan, 20,8 für Ince
-Mainz: 64,5 für Erdogan, 20,7 für Ince
-Karlsruhe: 63,5 für Erdogan, 22,1 für Ince
-Hannover: 60,1 für Erdogan, 20,6 für Ince
-Frankfurt am Main: 59,8 für Erdogan, 24,4 für Ince
-Hamburg: 59,3 für Erdogan, 24,8 für Ince
-Berlin: 51,5 für Erdogan, 32,7 für Ince
Der frühere Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kritisierte die Erdogan-Anhänger, die in der Nacht in deutschen Städten dessen Wiederwahl gefeiert hatten. „Die haben ja nicht nur gefeiert, dass ihr Alleinherrscher jetzt noch stärker Alleinherrscher wird, sondern die haben natürlich damit auch ein bisschen eine Ablehnung zur liberalen Demokratie zum Ausdruck gebracht, ähnlich wie es die AfD macht, und das sollte uns beschäftigen, auch mit Blick auf die Integrationsdebatte.“
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat sich gegen eine pauschale Kritik an deutsch-türkischen Wählern der AKP gewandt. „Deutsche Politiker machen es sich zu leicht, wenn sie Erdogans Anhänger in Deutschland als Integrationsverweigerer abstempeln“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Vielmehr sollten die Politiker in Deutschland „selbstkritisch nach ihrem eigenen Anteil daran fragen, dass eine seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Gruppe im Staatschef eines anderen Landes ihren Anführer sieht“. sts/dpa