Mit 437 Verhandlungstagen war er ein Mammutprozess. Trotzdem blieb vieles offen. Hier die Fragen, die der NSU-Prozess nicht klären konnte:
1) Warum endete die Serie der rassistisch motivierten Morde mit der Tatwaffe vom Typ „Ceska“ im Jahr 2006?
Eine Spekulation lautet: Beim letzten Mord in einem Internetcafé in Kassel sei ein Verfassungsschutzbeamter am Tatort gewesen. Die beiden Mörder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten gefürchtet, sie könnten auffliegen. Tatsächlich ist aber gerade das Auftauchen des Beamten während der Tat ein weiteres Rätsel. Die Behörden sprechen von Zufall.
2) Warum änderten Mundlos und Böhnhardt für ihren letzten Mord das Motiv?
Der letzte Mord war der an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter im Jahr 2007. Die Bundesanwaltschaft meint, die Täter wollten damit den Staat und seine Repräsentanten angreifen. Einen plausiblen Grund für den Wechsel des Mordmotivs nennt die Anklage nicht. Beate Zschäpe hat einen anderen Grund für den Kiesewetter-Mord genannt: Es sei Mundlos und Böhnhardt nur um die Waffen der Polizistin und deren Kollegen gegangen.
3) Woher hatten die NSU-Terroristen ihr Waffenarsenal?
Zwei Maschinenpistolen, ein Gewehr, der Rest Pistolen und Revolver – insgesamt 20 Waffen. Woher sie stammen, hat der NSU-Prozess nicht geklärt. Nur die Herkunft einer einzigen Waffe will die Bundesanwaltschaft nachvollzogen haben: Die Mordpistole vom Typ „Ceska“ stammt beweisbar aus der Schweiz. Auch der weitere Weg bis in die Hände der Terroristen gilt als aufgeklärt. Über die anderen Waffen ist nichts bekannt – auch, ob es bislang unbekannte Waffen gibt, ist unklar.
4) Woher hatten die Terroristen die Adressen von 10 000 potenziellen Anschlagszielen?
Parteibüros, Kirchen und Moscheen, Bürgerinitiativen, sogar eine Geflügelfarm, die ihre Hennen klassisch in geschlossenen Massenställen hält: Quer durch ganz Deutschland hatten die Terroristen Namen und Adressen gesammelt und meist noch Kartenausschnitte beigefügt. Die gesammelten Unterlagen fanden sich in den Trümmern der Zwickauer Fluchtwohnung. Die Einträge passen mehr oder weniger gut zu denkbaren Motiven von Neonazi-Terroristen. Wie diese Liste zusammengestellt wurde, ist aber völlig unklar. Mundlos und Böhnhardt sollen viel gereist sein, auch mit der Bahn. Es könnte Tippgeber vor Ort gegeben haben. Der Prozess brachte dazu nichts Eindeutiges.
5) Lebten Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe die gesamten fast 14 Jahre als Trio im Untergrund zusammen?
Die Bundesanwaltschaft scheint das so zu sehen. Sie lässt jedenfalls keine Alternative zu dieser Möglichkeit gelten. Es gibt aber Zweifel an der offiziellen Version. Zschäpe selbst erklärte, die beiden Männer seien manchmal längere Zeit unterwegs gewesen und sie habe nicht gewusst, wo sie steckten.
6) Gehörten noch mehr Leute zum „Nationalsozialistischen Untergrund“?
Beim Bundeskriminalamt gibt es Ermittler, die diese Frage für sich bejahen. Man sei auf Hinweise gestoßen, dass Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe Teil einer deutlich größeren Gruppe gewesen seien. Die Bundesanwaltschaft bleibt dagegen bei ihrer Überzeugung vom Trio.